Montag, 14. Juli 2014

Public Viewing - zu Gast bei Freunden

Eine WM oder EM wäre ohne das Public Viewing bei Jenneweins nur halb so schön. Seit der WM 2010 treffen wir uns in wechselnder Besetzung, um gemeinsam die Spiele der Nationalmannschaft anzuschauen. So auch in diesem Jahr.

Lecker Essen, Caipirinhas, Bier, Sekt, Wasser mit oder ohne Pfuhs (für meine amerikanischen Leser: gas) und eine überaus versierte Expertenrunde - so lässt sich ein Fußballgroßereignis genießen.

Deutschland - Portugal       4:0
Lässig. So könnte es weitergehen. Alle außer Hubert tragen ein Deutschlandtrikot. Hubert trägt als Zeichen des Respekts an das Gastgeberland ein Brasilientrikot. Wir lassen es ihm durchgehen. Aber nur dieses eine Mal. Als Ronaldo den Freistoß gegen die übermächtige Ein-Mann-Mauer Lahm schießt, schmeißen wir uns weg vor Lachen.

Deutschland - Ghana         2:2
Das kleinste Public-Viewing-Team trifft sich heute bei mir. Gaby und Hubert gondeln in Italien rum und meine Mädels sehen fremd. Lisa und ich gönnen uns erst einmal brasilianisches Hühnchen mit Reis und sind der Meinung, dass das eigentlich eine klare Sache sein müsste. Ist es natürlich nicht, umso mehr freut es uns, dass "unser" Boateng das Duell gegen seinen Bruder klar für sich entscheiden konnte. 

Deutschland - USA            1:0
Das letzte Vorrundenspiel. Diesmal wieder im Rohrkopf. Finn und Jörg sind als Verstärkung aus dem Schwarzwald mit dabei. Als echte Fußballfreaks treibt uns Mädels die Frage um, wie Beckerman mit so einer Frisur spielen kann. Der muss doch schwitzen wie Sau. Und wäscht er sich die Haare nach dem Spiel? Wohl eher nicht und wie macht er das dann? Doch ja, das 1:0 haben wir auch bejubelt.

Deutschland - Algerien      2:1 nach Verlängerung
Achtelfinale. Anspiel leider erst um 22 Uhr. Und dann noch Verlängerung. Wir konnten es kaum fassen. Wenn die Algerier gewinnen muss ich mir ne Burka nähen, wenn ich in den DM zum Einkaufen gehe. Irgendwann lungern wir wie die Jünger am Ölberg auf der Couch (bzw. Lisa in ihrem Sitzsack) rum. Das alles entscheidende 2:1 feiern wir im Liegen. Wobei sich Hubert mit Schweini solidarisch erklärt. Auch Hubert kriegt einen Krampf im Oberschenkel.

Deutschland - Frankreich  1:0
Viertelfinale. Diesmal wieder bei uns und sogar draußen im Hof. Was allerdings nicht ganz unproblematisch war, weil die Bildqualität nicht so besonders und es relativ hell war. Da hätte es auch nichts genützt, wenn man die Rollläden an den Fenstern geschlossen hätte.
Wenn sie heute gegen die Franzosen verlieren, dann schließen wir uns eine Woche ein. Nicht auszudenken, was im Städtle los gewesen wäre. Zwischendurch tropfen auch noch die überreifen Kirschen vom Kirschbaum auf uns runter. 

Deutschland - Brasilien      7:1
Halbfinale. Legendär. Simon durfte nicht mit, er war für Brasilien. Drei Tore habe ich gar nicht gesehen. Beim Stande von 3:0 war es an der Zeit für lecker Caipi. Gaby rannte nach einer Flasche Sekt (wozu, wissen wir bis heute noch nicht. Sie war plötzlich der Meinung, dass man Caipi mit Sekt auffüllt. Caipigaby sozusagen). Jedenfalls war ich in der Küche am Wirken, da sprang Lisa wie irre im Wohnzimmer rum. Kaum sah ich mir die Wiederholung an und ging wieder zurück zu meinen Caipigläsern, da fiel auch schon das 5:0. 
"Bin ich froh, dass ihr wieder was zum Stopfen habt", meinte Mäc, als Lisa, Gaby und ich uns hingebungsvoll unserem Caipi gewidmet haben. Beim 7:0 habe ich mich angeregt mit Gaby unterhalten und bin dem Spielgeschehen nur halbherzig gefolgt. Ich denke an meine brasiliansiche Nachbarin, die mir ein klein wenig leid tut. Aber nur ein klein wenig.

Deutschland - Argentinien  1:0 nach Verlängerung
Finale. Mit den Nerven am Ende. Ich beneide all jene, die mit Fußball so gar nichts am Hut haben. Sie verbringen einen unaufgeregten Tag. Im Gegensatz zu mir. Ich bin froh, dass die WM zu Ende ist. Länger hätten meine Nerven diese Alles-oder-Nichts-Spiele auch nicht ausgehalten. Diesmal darf auch Simon mit. Hubert heitert uns mit seinen Späßchen auf (na ja, Gaby fand es nicht so witzig) und um sich abzureagieren ist das Zerstoßen von Crushed Ice in mikroskopisch kleine Teilchen nahezu ideal. Als wir endlich Weltmeister sind, gibt es natürlich für uns kein Halten.
"Und der Hoeneß sitzt im Knast", meinte Simon. Schön, dass er auch an jene denkt, denen es momentan nicht so gut geht. Der Versuch eines Selfies scheitert kläglich. Ich bedauere jeden, der sich nicht für Fußball interessiert. Wie langweilig muss so ein Leben sein. 



So seh'n Sieger aus ...












... na ja, so ähnlich jedenfalls










Und ich weiß jetzt auch, warum das K.o.-Runde heißt.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Kinderarbeit

Am letzten Samstag feierten die Trainer und Betreuer des FC Neuenburg mit einem Grillfest den Saisonabschluss.

Wir saßen in gemütlicher Runde zusammen (also alle außer Ralf und Hansi, die haben nämlich gegrillt, was natürlich blöd und nicht wirklich Sinn der Sache war). Es wurde über dies und das geredet und ich habe keine Ahnung, wie wir auf das Thema Kinder zu sprechen kamen. 

Jörg (in der Sprache der Sioux heißt er: Der, Der in Zahlen denkt) meinte dazu, Kinder zu erziehen mache keine Arbeit. Er hat mir wohl angesehen, dass ich ihn in diesem Augenblick am liebsten an den Ohren über den Platz gezogen hätte. Er versuchte, die Situation zu retten indem er ergänzte, also es mache schon Arbeit, es sei aber keine Arbeit. Natürlich rettete er damit rein gar nichts.

Man muss wissen, dass Jörg im richtigen Leben Diplomvolkswirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter mit einem Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist. Da sieht man mal wieder, dass offensichtlich intelligente Menschen nicht immer kluge Dinge sagen.

Auf den ersten Blick hat er natürlich recht. Kinder großzuziehen stellt ja zunächst keine monetäre Wertschöpfung für die Gesellschaft dar. Das heißt, ich zahle für meine Arbeit als Erziehungsberechtigter keine Steuern und Sozialabgaben. Auf den zweiten Blick ist das natürlich Quatsch. Die Wertschöpfung meiner Arbeit beginnt halt etwas später. In unserem Fall zahlen nämlich zwei Endprodukte (also Matze und Resi) Steuern und Sozialabgaben und das dritte Produkt (Mäc) immerhin schon Sozialabgaben, die Steuern folgen selbstverständlich später. Das Thema Rente sei an dieser Stelle nicht erwähnt.

Übrigens profitiert während des Nepomukfestes (und nicht nur dann) auch der FC Neuenburg von der von uns geleisteten Erziehungsarbeit. 

Als Arbeit wird leider nur definiert, wofür man auch bezahlt wird. Solange man aber Erziehungsarbeit nicht den Stellenwert zukommen lässt, die sie verdient, solange wird sich an den mickrigen Geburtenraten in Deutschland nicht wesentlich etwas ändern. Denn die haben nicht nur mit fehlenden Krippenplätzen zu tun.



  






Sonntag, 6. Juli 2014

Bernie ante Portas

Neben der "Herr-der-Ringe Trilogie" gehört Loriots "Pappa ante Portas" zu meinen Lieblingsfilmen. 
Leider habe ich Loriot nie persönlich kennen gelernt, deshalb wundere ich mich, wie es ihm trotzdem möglich war, über Bernie einen Film zu drehen.
Zur Erklärung für alle, die den Film nicht kennen: Heinrich Lohse, Einkaufsdirektor der Firma Deutsche Röhren AG, bestellt für seine Firma Schreibpapier für die nächsten 40 Jahre - wegen des Mengenrabatts - und wird deshalb in den vorzeitigen Ruhestand geschickt.

Dieses Einkaufsverhalten ist mir auch von meinem Mann wohlbekannt. Auch in unserem Vorratsraum stapeln sich Waren, die uns mühelos einen Atomkrieg überstehen lassen. Wir haben jede erdenkliche Sorte Pizza in der Gefriertruhe und das Crushed Ice reicht für Caipirinhas bis an mein Lebensende.

Dem Angebot, nimm zwei, bezahle einen Kasten Mineralwasser, konnte er natürlich nicht widerstehen. Im Keller stapelten sich 24 Kisten Mineralwasser.

Kugelschreiber. Im vorigen Jahrtausend gab es irgendwo Kugelschreiber im Angebot. 10 Stück für 1 € . Natürlich hat Bernie 10 Päckchen gekauft, so dass er nicht weniger als 100 Kugelschreiber sein Eigen nannte. Und noch immer nennt. Denn wirklich in Gebrauch sind nur die Kugelschreiber, die er sich bei allen erdenklichen Firmen zusammenschnorrt.

Laminierfolie, CD-Rohlinge, Kopierpapier, Paketklebeband, Kleber, Textmarker, Briefumschläge,Tesafilm - alles in Hülle und Fülle vorhanden. 

Socken. Selbstverständlich im handlichen Zehnerpack gekauft, ebenso T-Shirts und Unterhosen. Bernies Ankleidezimmer treibt jeder Shopping-Queen Tränen in die Augen.

IKEA. Das Mekka des "Ich kaufe gerne mehr davon". Noch immer habe ich originalverpackte Geschirrtücher im Schrank liegen. Ebenfalls im Zehnerpack. 

Mit meinen Teelichtern könnte ich ohne Probleme das Freiburger Münster illuminieren und mit den Streichhölzern den Kölner Dom in Originalgröße basteln.

Auf Nachfrage benötige ich prinzipiell nichts von ALDI oder LIDL. Die Gefahr ist erfahrungsgemäß einfach zu groß, dass sich meine Wünsche über die Maßen erfüllen. Alleine nach der Andeutung, man hätte mal wieder Lust auf einen Joghurt füllt den Kühlschrank mit derer zehn in allen Geschmacksrichtungen.

Hätte Bernie den Auftrag erhalten, die Arche zu bauen, er hätte garantiert nicht nur ein Paar von jeder Spezies mitgenommen. Er hätte wahrscheinlich zwei oder drei Archen gebaut. Oder bei IKEA im handlichen Zehnerpack erstanden.   







Dienstag, 1. Juli 2014

Ein Hoch auf ... euch

Ehrlich gesagt, steckt mir der Abiball buchstäblich immer noch in den Knochen. Das kommt davon, wenn man bis halb drei im Stadthaus rumhopst, als gäbe es kein Morgen.
Was sich außerdem hartnäckig in meinem Kopf festgesetzt hat, ist die Rede von Rektor Kaltenbacher.  

Es gibt Chancen, die hat man mehrmals im Leben. Wenn der FC Bayern in diesem Jahr die CL nicht gewinnt, dann halt im nächsten Jahr.
Dann gibt es Chancen, die hat man nur einmal. Zum Beispiel den entscheidenden Elfmeter im Endspiel der WM zu schießen und sich damit unsterblich zu machen. Oder seine Abiturienten mit aufmunternden, um nicht zu sagen segensreichen, Worten ins Leben zu entlassen. Aber, sorry, diesen Elfer hat Kaltenbacher hoffnungslos verschossen (ich bin im WM-Modus, man möge mir die Fußballmetaphern bitte verzeihen). 

Ich hätte mir für euch ganz andere Worte gewünscht, als die Nörgelei über einen zu schlechten Gesamtschnitt und darüber, dass sich möglicherweise nicht alle richtig um einen besseren Schnitt bemüht hätten. Die Frage, ob möglicherweise der ein oder andere unter euch nicht mit der nötigen Sorgfalt betreut wurde, stellte er leider nicht. Nicht jeder Lerninhalt, egal in welchem Fach, wurde möglicherweise so vermittelt, dass er auch für alle nachzuvollziehen war. Manchmal passen Trainer und Spieler einfach nicht zusammen.

Und seien wir ehrlich: Was nützt mir ein Superabiturient, den man ansonsten in der Pfeife rauchen kann? Eben.

Ich hätte mir gewünscht, er hätte euch gesagt, wie einzigartig ihr seid. Liebenswert, jeder auf sein Art. Dass ihr wertvoll seid und sich dieser Wert nicht an Zahlen festmachen lässt. Ihr seid auf dem Sprung in das größte Abenteuer überhaupt: dem Leben. Und dieses Leben kennt keine Bewertungen vor und nach einem Komma. 

Ich hätte mir gewünscht, er hätte euch Mut gemacht, voll Zuversicht in diesen neuen Lebensabschnitt zu gehen. Ihr verlasst den geschützten Raum der Schule, und manchen macht die Vorstellung Angst, von jetzt an das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Richtungsweisende Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen leben zu müssen.

Lasst euch nicht einreden, wie ihr persönlichen Erfolg zu definieren habt. Euer Weg wird ab und an über Umwege verlaufen. Doch diese Umwege werden euch bereichern. Manchmal erweist sich der bequemere Weg als die schlechtere Entscheidung und manchmal wächst man nach Niederlagen über sich hinaus.

Habt den Mut, auch gegen Widerstände zu eurer Meinung zu stehen und rennt nicht allem nach, was gerade angesagt ist. Habt den Mut, eure Meinung zu revidieren und Fehler einzugestehen. Fehler zu machen ist ein Vorrecht der Jugend.

Lasst euch nicht manipulieren und seid wachsam. Lernt, zu hinterfragen und nicht alles als Gegeben hinzunehmen.

Ihr könnt nicht die ganze Welt, aber ihr könnt eure Welt zu einem besseren Ort machen. Und da spielt der Notendurchschnitt überhaupt keine Rolle.  
















Sonntag, 29. Juni 2014

An Tagen wie diesen



Gestern endete mit der feierlichen Überreichung des Abizeugnisses ganz offiziell Magdalenas Schulzeit. Halleluja.

Prinzipiell ist es bei Frauen ja so, dass sie zu besonderen Anlässen nichts anzuziehen haben. Ist diese Frage geklärt, fehlen noch die passenden Schuhe. Deshalb machten sich gestern morgen Theresa, Magdalena und Jana (als Shoppingbegleitung) von 9:30 bis 15:30 auf die Suche nach Schuhen. Ihr Suchgebiet umfasste die gesamte Regio von Basel bis Freiburg.


Habe ich schon erwähnt, dass wir nicht einfach so aus dem Haus gehen, um eine Veranstaltung zu besuchen? Ohne Adrenalinkick geht es nicht. Eine halbe Stunde bevor wir aufbrachen, stellte Theresa fest, dass ihre Träger rutschten und mein Saum ging an den jeweiligen Enden am Schlitz auf. Also Träger festnähen, Saum provisorisch mit Stecknadeln festmachen (zum Nähen fehlte die Zeit) und als ich Häkchen für Häkchen Magdalena in ihr Kleid quetschte, rief Simon, er bräuchte jetzt sofort auf der Stelle seine Spritze.
Theresa, Magdalena und Verena fuhren mit dem Auto Richtung Stadthaus, Bernd und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Unterwegs hielt dann besagtes Auto neben uns an, sie bräuchten den Hausschlüssel, man habe vergessen, die Balkontüre zu schließen. Daran war natürlich ich schuld, denn ich habe meine Kinder nicht im Griff.

Die anschließende Abifeier war wirklich sehr schön. Wobei Theresa und Verena von den üblichen Reden nicht so sehr viel mitgekriegt haben. Sie waren damit beschäftigt, die Kleider der Abiturientinnen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die meisten kamen eher schlecht weg. Somit entging ihnen wohl auch der größte Teil der etwas eigenwilligen Rede von Rektor Kaltenbacher. Dieser beklagte sich mehr oder weniger über den diesjährigen Abijahrgang. Sie haben wohl in seinen Augen mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,5 zu schlecht abgeschnitten und da hätten sich offensichtlich einige nicht richtig bemüht. Johanna mit ihren 1,0 sei Dank konnte er sich doch etwas im Glanze sonnen, aber so richtig zufrieden war er nicht. 

Dann erwähnte er noch, wie engagiert sein Kollegium gewesen sei, und dass die entsprechenden Fachlehrer wahnsinnig viel zusätzliche Zeit für die Kommunikationsprüfungen in den Sprachen investiert hätten. Sie haben sogar Überstunden gemacht. Stell sich das einer vor. Das kennt die übrige Arbeitswelt gar nicht. Nicht erwähnt hat er, dass den Tutoren bis zu den Sommerferien etliche Stunden entfallen, da ihre Klassen ja nicht mehr da sind. Aber wahrscheinlich müssen sie in diesen Freizeiten Archive aufräumen oder Klassenzimmer putzen.

Auf jeden Fall geht diese Demotivationsrede wohl in die Annalen des KGN ein. 

Bezeichnenderweise hielt die beste Rede eine Schülerin, die die Worte aussprach, die eigentlich die Schulleitung hätte sagen sollen. Nun gut.

Magdalenas Schuhe gingen recht schnell den Weg, den alle Highheels früher oder später gehen müssen: Sie landeten unter dem Tisch und der Rest des Abends wurde barfuß absolviert. Ganz unbeschadet überstanden auch die Kleider den Abend nicht. Auf Magdalenas Kleid zeichneten sich kleine Flecken des Abendessens ab und Theresa kann sowieso keine Mousse au Chocolat essen, ohne dies auf ihrer Kleidung zu verewigen. 

Später spielten noch "Milestone", allerdings waren die anwesenden U20 nur sehr schwer aus der Reserve zu locken. Gott sei Dank muss ich im Nachhinein sagen, denn als sie sich endlich auch auf der Tanzfläche eingefunden hatten, forderten sie vehement, atemlos durch die Nacht zu jagen. Gott sei Dank steht dieses unsägliche Lied nicht auf der Liste der "Milestone" und wird es hoffentlich nie, nie, nie stehen. Sonst kündige ich ihnen mein Fandasein.
Dann rief Karsten ein Musikinstrument in Erinnerung, das völlig zu Unrecht von Musikern gern belächelt wird und ein völlig unterschätztes Dasein fristet: die Blockflöte. Karstens filigranes Spiel war ganz bezaubernd. 

Einige wenige Lehrer hielten tatsächlich bis zum Schluss durch. Wobei die Fachschaft Mathematik - im Gegensatz zur Fachschaft Sport -  nicht unbedingt durch tänzerische Begabung auffiel. Das kommt halt davon, wenn man nur den (Achtung Wortwitz!) Algorithmus im Blut hat. 

Als Matze nach Hause ging, hat er mich sogar in den Arm genommen. Das hat er zuletzt gemacht, als er noch im Kindergarten war. Theresa meinte allerdings, das zählt nur, wenn er sich auch heute noch daran erinnern könne.

Es war ein toller Abend. Natürlich bin ich heute etwas angeschlagen, aber ich habe ja jetzt 14 Tage Zeit, mich wieder zu erholen. Dann ist Nepomukfest.





Mittwoch, 25. Juni 2014

Ein Brunnen für den Froschkönig

Geht nicht - gibt's nicht. Dieser Slogan könnte auch das Lebensmotto meines Vaters gewesen sein. Es gab tatsächlich nichts, was er sich als leidenschaftlicher Heimwerker nicht zugetraut hätte. Schreinern, tapezieren, Fliesen legen, Dachfenster austauschen und mit den Ärzten der Notaufnahme auf Du und Du. 

Diesen unerschütterlichen Glauben an sich und seine Fähigkeiten gab er auch an mich weiter. Tapezieren, malen, Fliesen legen, IKEA-Küche aufbauen - kein Problem. Zu sagen, ich kann das nicht bevor ich es nicht probiert habe, kommt auch bei mir nicht in Frage.
Sehr zum Leidwesen von Matze, der von den Ergebnissen meiner Bemühungen alles andere als begeistert ist. Dipfeleschisser.

Auch Bernd ist von meinen Aktionen zu Anfang wenig angetan. Mit seinen Kommentaren "das geht so nicht", "das haut so nicht hin" oder "das funktioniert nicht" zeichnet er sich nicht unbedingt als Motivator aus. Manchmal sagt er auch gar nichts und lässt einfach sein Gesicht sprechen. Allerdings beeindrucken mich die spürbaren negativen Schwingungen nicht sonderlich.

Bis jetzt hat alles auch so in etwa hingehauen wie ich mir es vorgestellt habe.

Mein neustes Projekt ist ein Wassergarten in Form eines Brunnens. Die Steine dazu lagen nutzlos im Garten und waren Bernd im Weg. Begleitet von den oben erwähnten Kommentaren machte ich mich zuversichtlich ans Werk. Natürlich erwies sich der Plan, den Brunnen auf einmal mauern zu können, als nicht durchführbar. Das ist aber nicht weiter schlimm, da ich ja keine Zeitvorgabe habe.







Mittlerweile findet mein noch halbfertiger Brunnen Gnade vor Bernd (vor Matze eher nicht). Vielleicht ist er aber einfach nur froh, dass die Steine endlich aus dem Garten verschwunden sind.

Vielleicht (wenn er dann fertig ist) setzt sich ja ein Fröschlein an den Rand des Brunnens, Theresa kann ihn an die Wand werfen, auf dass ein wunderschöner, reicher, intelligenter, sympathischer Prinz ihr Herz erobert. Oder dann halt doch ElitePartner.de   

Sonntag, 22. Juni 2014

Ich habe WM

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich das Weltgeschehen im Moment herzlich wenig interessiert. Sollen sich Sunniten und Schiiten und was weiß ich wer noch die Köpfe ein- bzw. abschlagen (das machen sie wahrscheinlich seit Jahrhunderten so, bisher hat es nur keiner mitgekriegt), Putin und die Ukraine? Von mir aus kann er sie haben. Entführte Mädchen in Nigeria (ist das überhaupt noch ein Thema?) und Abhörskandal - mir alles egal. Keine Zeit. Ich habe WM.

Gestern also das Spiel gegen Ghana, das mich mal wieder an meinem Geisteszustand zweifeln ließ. Ich möchte den Spielverlauf an dieser Stelle nicht weiter kommentieren, er zerrte an meinen Nerven und Bernds Kommentare trugen auch nicht dazu bei, diese zu beruhigen. Im Gegensatz zu mir war er die Zuversicht in Person und ich fragte ihn zwischendurch, ob er sicher wäre, dass wir das gleiche Spiel schauen.

Der Kommentator Tom Bartels bestätigte meine Meinung zu Kommentatoren als unqualifizierte Laberschwätzer. Sein ständiges "wäre, hätte, würde, könnte" ging mir gewaltig auf den Sender. Ich schrie ihn an, dass weder das Leben noch der Fußball im Konjunktiv stattfänden. Andernfalls wäre ich in Brasilien, hätte Karten für das Spiel, würde das Geschehen auf dem Platz live verfolgen und könnte ihm bei dieser Gelegenheit das Mikrofon in den Rachen stopfen, auf dass er endlich seinen Schnabel hielte.

Nach dem 1:2 crushte ich das Eis in meinem Caipi auf Konfettigröße und fragte mich, ob es das wert sei. Im Grunde genommen geht es mich ja gar nichts an, was die Nationalmannschaft um Löw zusammenkickt. Es betrifft mein Leben nicht. Ob wir gewinnen oder verlieren hat mit mir nichts zu tun. Ich muss trotzdem heute 40 Häkchen und Ösen an Mäcs Korsage nähen. Da hilft mir kein Klose oder Neuer. Wobei - wäre mal ne Abwechslung für die Jungs. 

Mit diesen Gedanken versuche ich mich zu beruhigen. Es gelingt mir nicht. Zwischendurch beneide ich Menschen, die mit Fußball so gar nichts am Hut haben. Die Glücklichen, denke ich, sie machen sich klugerweise keine Gedanken über Menschen, die sie überhaupt nicht kennen, die nur Fußball spielen und die dennoch ihr Lebensglück entscheidend beeinflussen.

Meine zwischenzeitliche buddhistische Gelassenheit hat mit dem wahnsinnig idiotischen "Hackentrick" von Lahm am gegnerischen Strafraum (und dem damit eingeleiteten Konter des Gegners) ein Ende. Meinen Kommentar konnte man bis zu Nachbars hören.

Das Spiel ist aus und Mehmet Scholl bestätigt meinen Eindruck, dass das Spiel über weite Strecken einfach zu pomadig gewesen sei. Meine Worte. Ich schaue noch die erste Halbzeit des Spiels Bosnien-Herzegowina - Nigeria an, drehe meine Runde mit dem Hund und bringe mich auf Normalzustand.

Und am Donnerstag fegen wir die Amis vom Platz.