Samstag, 31. Dezember 2016

Zahlen - Daten - Fakten

Am letzten Tag des Jahres neigt man ja gerne dazu, Bilanz zu ziehen. Ist ja auch nicht schlecht, einmal kurz inne zu halten und nachzudenken. Ansonsten hat sich zu meiner Einstellung zu Silvester nichts geändert. Ich hoffe, die Idioten, die gestern schon rumgeböllert haben, haben gemerkt, dass es wenig Sinn macht, Raketen in den Nebel zu schießen. Habe ich schon erwähnt, dass ich Nebel toll finde?

Wie dem auch sei, auch ich habe bezüglich meines Blogs Bilanz gezogen. 

Seit Beginn konnte ich 25.141 Leser mit insgesamt 133 Posts unterhalten. Das ist jetzt zugegebenermaßen nicht der Brüller. Also im Vergleich zu dem, was andere Blogger, Twitterer und Instagramer für Zahlen abgreifen. Von der Hype um die vermeintlich Schönen und Reichen ganz zu schweigen. Das ist schon krass, dass man mit absoluter Durchschnittlichkeit Geld machen kann. Können nix und haben nix außer Titten und Arsch (man möge mir den Ausflug ins Vulgäre verzeihen, aber das beschreibt es einfach besser als Busen und Po) und einem Körper aus dem Ersatzteilkatalog diverser Schönheitskliniken. Und nein, ich bin nicht neidisch. Wer möchte ernsthaft mit diesen armen Geschöpfen tauschen?

Wie dem auch sei, ich werde weltweit auf allen Kontinenten gelesen. Das klingt natürlich spektakulärer als es ist. Aber es liest sich einfach toll. Die meisten Leser kommen dabei aus den USA (1.380) gefolgt von Russland (669) und Frankreich (518). Mit dabei sind auch die Schweiz, Ukraine, Spanien, Argentinien, Neuseeland und Polen. So wie ab und zu die Vereinigten Arabischen Emirate, Großbritannien, oder Schweden. Je nachdem, wo aus meinem Bekanntenkreis jemand grad in Urlaub ist. Spanien kann ich da relativ leicht zuordnen. An dieser Stelle liebe Angie, prospero ano y felicidad.

Im Moment rufen vermehrt Leser aus Russland und der Ukraine meine Seite auf. Keine Ahnung warum. Vielleicht verwirrt sie der Titel "mein-liebes-leben" und sie denken, sie erfahren auf dieser Seite etwas über mein Liebesleben. Allerdings gäbe es zu diesem Thema wohl kaum 133 Posts. Das wäre schnell erzählt.
Oder ich setze mir einen Aluhut auf und vermute den russischen Geheimdienst hinter der Sache. Man weiß es nicht. Zumal es zu Anfang erstaunlich viele Leser aus den USA gab. Ich glaube ja nicht an Zufälle ...

Anfangs startete ich mit durchschnittlich ca. 30 Lesern. Zwischendurch habe ich mich natürlich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Ich war auch schon kurz davor, aufzuhören. Aber dann hat mir Susi eine ganz liebe Mail geschrieben, wie sehr ihr meine Geschichten Freude bereiten. Da dachte ich mir, komm, und wenn Susi und vielleicht 30 anderen die einzigen sind, denen du eine Freude machst, dann ist das doch schön.

Was einen Post erfolgreich macht, weiß ich leider nicht. Ich habe keine Ahnung, nach welchen Kriterien meine Leser meine Seite aufrufen. Der bisher erfolgreichste Post war "Zuviel des Guten" über den Kauf von Shampoo. Dabei schrieb ich den nur aus Verlegenheit, weil ich dachte, ich müsste mal wieder was schreiben und mir nichts besseres einfiel. Zwischenzeitlich habe ich mir überlegt, meine Seite mit Katzenvideos aufzupeppen. Mangels geeigneter Katze verfolgte ich diesen Plan aber nicht weiter. Emmy ist leider dem "Oh-how-cute-Alter" entwachsen. 

Überhaupt finde ich es ja wahnsinnig interessant, wieviele Kommentare auf FB sich unter schlichten Selfies finden. Das reicht von "Du Hübsche" über "süß, ihr zwei" bis zu "mega" . Da diese Kommentare meist von Frauen oder Mädchen kommen weiß ich sicher, dass sie in den allermeisten Fällen gelogen sind. Erstens, weil es einfach nicht stimmt und zweitens, weil es bei Frauen und Mädchen ab und zu vorkommt, dass zwischen dem, was sie schreiben und sagen und dem was sie denken, ein erheblicher Unterschied ist. Fällt das dann eigentlich auch unter Fakenews?

Ich gehe mal davon aus, dass mir auch das neue Jahr viele interessante Begebenheiten bereit hält. Meinen Lesern wünsche ich einen guten Rusch ins neue Jahr und im neuen Jahr Gesundheit und Reichtum.

Happy New Year, S Novim Godom, Bonne Anée 



  




Sonntag, 18. Dezember 2016

Gedanken zum 4. Advent

Neulich hatte Brigitte einen Artikel von "Stern online" kommentiert, in dem es um den Treter der Berliner U-Bahn ging und um die Trittbrettfahrer (welch passendes Wortspiel) in München. Es ging wohlgemerkt um den Artikel und nicht um die Tat.

Dann machte ich den Fehler und las die weiteren Kommentare. Mein lieber Mann, da ging die Post ab. Mittlerweile tobt ja auf jedes Verbrechen reflexartig ein gewaltiger Sturm all derer, die die Antwort auf sämtliche Probleme haben. Gut - die Lösungsvorschläge sind jetzt nicht gerade originell und selten zu Ende gedacht. Auf jeden Fall lassen sie mich am deutschen Bildungssystem zweifeln. Den Allermeisten würde ich zunächst einmal raten, sich zu einem Deutschkurs anzumelden. Denn hey, Leute, "das" gibt es auch mit zwei "s". Das "ss" müsste euch doch eigentlich leicht aus der Tatstatur springen. Von grammatikalischen Merkwürdigkeiten ganz zu schweigen. 

Denn natürlich stand fest, dass die Tat mal wieder von Flüchtlingen verübt wurde. Die Streiter gegen Gewalt gegen Frauen spuckten Gift und Galle und einer war in der Tat der Meinung, es wäre an der Zeit, die Hochöfen wieder hochzufahren. Ein besonders Minderbegabter setzte unter den Kommentar von Brigitte ein Fragezeichen. Immerhin gab er damit zu, dass er nicht verstanden hatte, um was es ihr ging. Ich war versucht zu schreiben, es gehe ihr um den Artikel und in welche Richtung der "Stern" abdriftet, du Saftsack. Aber diese Blöße wollte ich mir dann doch nicht geben.

Natürlich frage ich mich woher dieser Hass kommt, die verbale Gewalt, die momentan unser gesellschaftliches Klima belastet. Was sind das für Menschen? Unter welchem Stein waren denn die "Reichsbürger" bisher vergraben? Wer um Himmels Willen schließt sich der "Identitären Bewegung" an? Könnte man die Besiedelung des Mondes nicht als lohnendes Ziel ins Auge fassen? Warum ist Christian Streich in letzer Zeit der einzige, der Menschen wie mir eine Stimme gibt? Wo sind die anderen? Ich höre nichts. Warum beginnt die Politik, sich dem rechten Rand anzubiedern (klar, nächstes Jahr sind Wahlen)? Man müsse doch auch Verständnis haben für die Ängste dieser Bürger. Tut mir leid. Habe ich nicht.

Allerdings tun mir diese besorgten Bürger fast schon ein bisschen leid. Was muss man für ein armseliges Leben führen, wenn man so voller Hass und Wut ist. Man kann unmöglich ein glücklicher Mensch sein, wenn man in einem Gefängnis sitzt aus Vorurteilen und Ängsten. Sie werden auch in Zukunft keinen Spaß am Leben haben. Sie werden lernen müssen, sich in dieser Welt zurecht zu finden. Da können sie plärren so lange und so viel sie wollen.

Von mir aus kann man mich als Gutmensch verunglimpfen. Lieber Gutmensch als Wutmensch. Nächsten Samstag feiern wir die Geburt des wohl bekanntesten Gutmenschen. In diesem Sinne, einen schönen 4. Advent. 








Dienstag, 15. November 2016

Jambo

Wann ich denn mit ihr in Urlaub fahren würde, fragte mich Mäc. Mit Theresa sei ich ja auch auf Sri Lanka gewesen. Nun ist es so, dass diese Frage eigentlich gar keine Frage war, sondern eine Aufforderung zum Handeln. Wer Bernadette aus The Big Bang Therory kennt weiß, wie diese Aufforderung geklungen hat und dass sie eher einem Befehl gleich kam. Theresa und ich nennen unsere Jüngste deshalb auch gerne McBernadette.

Wir einigten uns auf Sansibar. 

Sansibar. Ein Name als Verheißung. Weiße Strände im Indischen Ozean, der von dunkelblau bis türkis alle Farben aufbietet, fröhliche Menschen und vor allem für Sonnenjunkies nahezu das Paradies. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht.



Wir waren hervorragend untergebracht im Ocean Paradise Resort in Kijangwani. Zehn Tage lang wich das Lächeln nicht  mehr aus unseren Gesichtern. Zehn Tage Jambo, how are you? Hakuna Matata. Gleich am ersten Morgen wurde Mäc von David, der im Restaurant arbeitet, nach ihrem Namen gefragt. Sein Maagdalenna (weiches g und das e Richtung ä) sollte uns den Rest des Urlaubs begleiten. Sie sei seine Schwester, meinte er zu seinen Kollegen. Same father, different mother. Später gesellten sich zu ihrem Harem noch Hassan und Ali dazu. Ich hätte sie zu einem Vielfachen ihres Herstellungspreises verkaufen können.

Auf Dauer nur am Pool zu liegen kann man machen, ist aber nichts für uns. Selbstverständlich gehört es dazu, sich mit Land und Leuten zu beschäftigen.

Sansibar sei ein armes Land, meinte der Taxifahrer, der uns vom Flughafen abholte. Wie recht er hat, sahen wir schon während der Fahrt zum Hotel. Diese Armut muss man aushalten, denn außerhalb der heilen Welt der Hotels kommt sie einem gnadenlos entgegen.

Der real existierende Sozialismus ist auch auf Sansibar krachend gescheitert. Nur, dass niemand einen Soli aufbrachte, der der Insel wieder auf die Beine half. Natürlich musste ich unwillkürlich an die in ihren Augen zu kurz gekommenen Montagsschreier zu Hause denken. An dieser Stelle muss ich meinen weiteren Gedanken zu diesem Thema Einhalt gebieten. Ich ticke sonst noch aus.


Wo warst du, als Donald Trump Präsident wurde? Dieser Tag ist genauso legendär, wie der 11.09. oder das 7:1 gegen Brasilien. Als die AfD in den Landtag einzog war ich in Südafrika. Bei Trump auf Sansibar. Nächstes Jahr im September bin ich auf jeden Fall zu Hause. Überhaupt - Trump Präsident, Boris Johnson Außenminister von GB, Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis - schreibt Gott eigentlich an einer Sitcom? Und wenn ja - was kommt noch? Frauke Petry als Kanzlerin? Lieber Gott: Nicht witzig.

Wir verlebten wunderschöne Tage auf Sansibar mit tollen Begegnungen mit interessanten Menschen. Ramon, der am Strand Touren verkauft und hervorragend deutsch spricht. Hat er sich mit Hilfe deutscher Touristen selbst beigebracht. Der Hotelmanager, der sich auf drei Wochen Hamburger Wetter freut, der Masai Jägermeister der bin ich, das Pärchen aus der Zähringerstadt Thun, Martina und Heiner, die uns mit zum zum Schnorcheln genommen haben. Eine unvergessliches Erlebnis, ich weiß nicht, wann ich zuletzt so gelacht habe. Wir haben per WhatsApp ein Bild von unseren Tauchaktivitäten nach Hause geschickt. Bernie hat gemeint, ob da die Behindertensportgruppe unterwegs gewesen sei (nein, dieses Bild wird nicht veröffentlicht). Nicht zuletzt das Personal des Resorts: Ihr seid großartig.

A dream is closer than you think. Asante sana Zanzibar.






















Samstag, 15. Oktober 2016

Zuviel des Guten

Neulich musste ich mal wieder nach dm, ich hatte kein Shampoo mehr und dachte, gehst halt mal schnell rüber. Es war auch gar nicht mal so viel los. Das könnte also ohne längere Wartezeit an der Kasse klappen.

Dann stand ich vor dem Regal mit den Shampoos und trat den Plan des schnellen Einkaufs in die Tonne. Vor mir öffnete sich die Welt der Haarpflege. Es gab Shampoos für koloriertes, getöntes, strapaziertes, sprödes, trockenes Haar. Shampoos für mehr Volumen, blondes, graues, lockiges und dafür, dass die Farbe länger hält. Außerdem gegen Spliss, fehlenden Glanz und Schuppen, einen fettenden Ansatz und gegen Haarbruch. 

An Inhaltsstoffen hatte ich zur Auswahl u.a. Koffein, Hyaluron, Aufbau Hafer, Jojoba und Echinacea, Honig, Aloe, Mythische Olive (???), Wunderbutter (????) oder Tonerde. Gerne in den Geschmacksrichtungen Vanillemilch und Papaya, Acaibeere und Granatapfel, Vanille und Mandelöl, Malve und Brombeere, Bambus und Orangenminze, Granatapfel und Gojibeere.

Die Produkte waren aus dem Sortiment von Nivea, Schwarzkopf, L'Oréal, Garnier, Syoss, Dove oder Balea. 

Kurz - ich war überfordert. Ich neige wirklich nicht dazu, die Vergangenheit zu verklären. Es war früher weiß Gott nicht alles besser. Allerdings hielt sich in meiner Kindheit die Auswahl an Shampoos in Grenzen. Es gab grünes (mit Kräutern) oder gelbes (mit Ei) Shampoo und das war's. Ach ja, und mein fehlgeschlagenes Experiment mit selbstgemachtem Shampoo. Das ließ ich vorsichtshalber meine ältere Schwester ausprobieren. Nach dem Föhnen hatte sie eine Frisur wie Don King. Aber das nur am Rande.

Doch im Grunde genommen beschränkt sich dieses Überangebot nicht nur auf Shampoos. Schon mal vor dem Brotregal beim Bäcker gestanden? Kaffee trinken gegangen? Fernsehsender gezählt (ohne Bezahlsender und Streamingdienste)? Gibt es den Beruf des Schokoladenerfinders?

Jedes Dorf feiert sein eigenes Oktoberfest mit einem zünftig-badischen "Ozapft is", danach klopft Halloween an die Tür, Weihnachtsmärkte mit und ohne Eisbahnen, von Januar bis Aschermittwoch Fasnacht bis zum Abwinken und bis zum Herbst Dorfhocks und Straßenfeste - keine Zeit für Langeweile.

Überfluss so weit das Auge reicht. Und was nicht gebraucht wird oder sich vermeintlich nicht mehr zum Verzehr eignet, wird kurzerhand weggeschmissen. Wobei wir mittlerweile nicht nur essen, nein, wir ernähren uns. Wahlweise vegetarisch, vegan, makrobiotisch, ayurvedisch, basisch, als Frutarier, mit Trenn- Roh- oder Vollwertkost. Dafür sind wir dann Lactoseintolerant und vertragen kein Gluten.

Man könnte tatsächlich an diesen modernen Zeiten verzweifeln und irgendwann werden wir an unserem "Zuviel" ersticken.

Ich hatte mich für das Granatapfel-Gojibeeren-Shampoo entschieden. Dachte ich jedenfalls. Unter der Dusche bemerkte ich, dass ich statt dessen die Granatapfel-Gojibeeren-Spülung mitgenommen hatte.




  

Freitag, 7. Oktober 2016

Heidelberg

Theresa bedurfte nach ihrer OP noch der Betreuung und da sie ja bekanntlich momentan noch in Heidelberg wohnt, verbrachte ich die letzten Tage am Neckar zur Krankenbetreuung. War cool.

Sonntagmorgen ging es also mal wieder Richtung Heidelberg, wo wir einen schönen Tag verbrachten. 



Leider haben wir die Wurst zu Hause im Kühlschrank liegen lassen, so dass aus dem geplanten abendlichen gemütlichen Vesper nichts wurde. Nudeln mit Tomatensoße war aber auch ok.

Der Montag war bekanntlich der Tag der Deutschen Einheit und somit Feiertag. Die Läden waren zu, also immer noch keine Wurst, Käse oder Marmelade und somit auch kein Frühstück. Leider hatten die Cafes im Viertel geschlossen und in die Innenstadt wollten wir nicht laufen. Zum einen war es meiner Hinkelotte zu weit und zum anderen war wahrscheinlich sowieso wieder UN-Vollversammlung. Also dann kleines Frühstück bei McDonalds.

Mittags war dann lässiges Chillen. Also bei mir, Theresa musste ja für die Prüfung lernen. Im Radio lief SWR1 und irgendwann meinte ich zu ihr, dass ich schon zu dieser Musik Hausaufgaben gemacht habe. Also suchte sie netterweise einen anderen Sender. SWR3. Das erste Lied, das wir hörten war "Mama Mia". Dann kam das Pokemon Lied, von dessen Existenz ich bis dahin nichts wusste. SWR3 hatte Wunschliedertag. Den Blick, den Theresa mir zuwarf, kann ich nur schlecht beschreiben. Eine Mischung aus "echt jetzt?" mit einer Prise "das hast du jetzt davon" und einem Hauch Verachtung. So was in der Art.

Dann spielten sie "Take five" und Theresa meinte, zu diesem Lied hat wohl schon der Opa Hausaufgaben gemacht. Kunstbanause.
In den Nachrichten wurde dann über die unschönen Szenen in Dresden berichtet. Also ich würde mir "The Wall" von Pink Floyd wünschen, dachte ich. 

Theresas Mitbewohnerin war ausgezogen und wir hatten die Wohnung für uns alleine. Das war im Prinzip gar nicht schlecht, aber leider hat sie auch alles mitgenommen, was ihr gehörte. Was natürlich in Ordnung ist, allerdings wäre es gut gewesen, wenn wir davon gewusst hätten. Ich musste deshalb mit dem Vorlieb nehmen, was uns noch geblieben war. Zwei kleine Töpfchen, eine Pfanne, die leicht eiert und eine Pfännchen, in dem genau ein Spiegelei Platz hat. Auch den Küchenboden mit einem Handfeger zu wischen ist nicht wirklich witzig.
Den Duschkopf hat sie auch mitgenommen und so hab ich mich eben mit dem verbliebenen Schlauch abgespritzt. Theresa durfte ja noch nicht duschen, ihr war das egal. 

Am Mittwoch gönnten wir uns dann ein Frühstück in einem Diner. Echt toll in einem alten Eisenbahnwaggon.

  
Wobei es für Bernie wohl nichts gewesen wäre. Als wir uns setzten schrie uns James Brown an, dass er sich gut fühlt und auch sonst war die Musik doch sehr dominant. Für uns hat's gepasst. 

Heidelberg ist ja Freiburg nicht unähnlich. Das Viertel, in dem sich Theresas Zimmer befindet, ist dann auch eine Mischung aus Stühlinger und Vauban. Sehr spirituell mit viel Yoga, etlichen Psychoanalysten und Psychotherapeuten, Kinderkrippen ("Kommt, lasst uns weiter gehen, da vorne gibt es noch mehr Mülltonnen zum Spielen") und überhaupt vielen Eltern mit sehr kleinen Kindern. Und einem Cafe für Eltern mit Kleinkindern. Leider nichts für Theresa und mich. Erstens habe ich weder Piercings noch Rastas und außerdem war mir das Bio-Öko-Eis mit 1,60 € die Kugel doch etwas zu teuer. Aber wahrscheinlich war es halt vegan und laktose- und glutenfrei.

Schön war's in Heidelberg. Wir haben viel gelacht. Gemeinsam oder übereinander. Wobei ich nicht weiß was es da zu lachen gibt, weil ich bei einem Zeichentrickfilm Höhenangst hatte.







Donnerstag, 29. September 2016

Schön gemacht

Angesichts der Nachrichtenlage könnte man zipfelsinnig werden. AfD, CSU, Trump oder Clinton, Aleppo - man könnte verzweifeln an der Welt. Doch bevor ich endgültig in Trübsinn verfalle, gehe ich zum Friseur. Kaum, dass sich hinter mir die Türe schließt habe ich das Gefühl, ich bin Teil einer Sitcom, und das Lachen kommt nicht vom Band sondern von Silvia, Lena und den Kundinnen. Hey Welt, du kannst mich mal.

Sie solle mich schön machen, meinte ich zu Lena und ich deutete ihren Gesichtsausdruck nicht als skeptisch, sondern als überzeugt, sich dieser Herausforderung gewachsen zu fühlen. Allerdings meinte Silvia daraufhin, Peter würde jetzt fragen, ob ich so lange Zeit hätte. Ha ha.

Natürlich ist so ein Friseurbesuch auch immer eine gute Gelegenheit, sich in den bunten Blättern über die vermeintlich Reichen und Schönen zu informieren. Also ran an die "Bunte". Schon nach der ersten Seite fragte ich mich, wer um Himmels willen sich diese Druckerzeugnisse eigentlich kauft. Gibt es dafür tatsächlich ein Publikum? Ich hatte die "Bunte" relativ schnell durch, da ich die meisten der sogenannten Promis gar nicht kenne. Und die Story über Brad Pitt und Angelina Jolie hatte sich überholt. Tja, so schnell kann's gehen.

Weiter ging es mit der "Freundin". Cool, Trendfrisuren für den Herbst. Leider zu spät entdeckt. Ich war ja schon mit Alufolie und Farbpampe versorgt. Außerdem sahen die Frisurenmodels nicht unbedingt aus, als ob sie Spaß am Leben hätten. Ihr Gesichtsausdruck war eher genervt-gelangweilt. Aber vielleicht gehört das ja zum Trend. Ich übe schon mal. 

Derweil lag Silvia bei meiner Nachbarin in den letzten Zügen. Natürlich hatten sie's vom Wetter, tagsüber super, aber am Abend wird es dann doch kühl. Im Stehen ginge es ja noch, aber wenn man sich hinsetzt merke man, wie es von unten her anzieht, meinte die Silvia. Ich meinte daraufhin, dass es bei ihr ja keinen großen Unterschied macht, ob sie steht oder sitzt. Sie ist ja tiefergelegt, sozusagen. Offensichtlich hat sie mit 10 Jahren beschlossen, nicht mehr zu wachsen.

Wie sie da so redet übers Wetter - zack - wieder mitten im Satz: "Man merkt halt schon, dass Herbst, ich hab vorne etwas mehr weg genommen."  In einem Herrensalon könnte Silvia das nicht bringen. Männer können nicht so gut parallel denken.

Dann durfte ich am Waschbecken Platz nehmen. Die Farbpampe musste ja wieder ausgewaschen werden. Die nette Auszubildende hat sich meiner hingebungsvoll angenommen. Mit Sicherheit hat sie mir die Pflegemittel bis zur Hirnrinde einmassiert. 

Kurz darauf kamen zwei Damen, und ich weiß immer noch nicht, warum sie zum Friseur gingen. Die Spitzen bitte, aber nur die Spitzen, vielleicht einen Hauch von Spitzen, bitte. Aber nicht mehr. Was Silvia und Lena abschneiden durften, konnte man letztlich nur unterm Elektronenmikroskop erkennen. Aber vielleicht kamen sie ja auch nur wegen der tollen Atmosphäre.

Offensichtlich kann man bei Silvia auch ein Do-it-yourself-Paket buchen. Ist ja auch angesagt im Moment. Wer möchte kann sich also Schaumfestiger ins Haar schmieren und sich anschließend föhnen. Eigentlich könnte sie ja Spitzen schneiden noch ins Angebot aufnehmen. Muss ich mal vorschlagen.

Bei Silvia kann man sich aber nicht nur die Haare schneiden lassen. Man kann auch Uhren, Schmuck oder Tücher kaufen. Wie früher halt. Da hat der Barbier auch noch Zähne gezogen. Und wer weiß, was sich im Hinterzimmer abspielt.

Natürlich hat mich Lena schön gemacht. Ist zu Hause nur mal wieder keinem aufgefallen. Nur Mäc meinte, dass ich die neue Frisur sowieso nicht selbst hinkriege. Lächerlich.


Sonntag, 18. September 2016

Geschichtsstunden

Seit etwa einem halben Jahr schreibe ich für die Stadtzeitung. Das ist jetzt nichts weltbewegendes und den Pulitzerpreis gibt es eher nicht dafür. Dafür schreibe ich beispielsweise über 90. Geburtstage und Diamantene Hochzeiten. Für die Jubilare gibt es Blumen und Urkunden und einen Besuch des Bürgermeisters oder eines seiner Stellvertreter. Die beiden letzten Male war das Eugen Sänger. Manchmal werden diese Termine recht kurzfristig kommuniziert, aber für uns Nur-Hausfrauen ist das eigentlich kein Problem. Da sind wir ja so was von flexibel.

Ich genieße diese Termine. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn man wird jedes Mal aufs beste versorgt mit Schnittchen, Kuchen, Kaffee und Sekt. Pech für Mäc, denn sie muss dann auf ihr Mittagessen verzichten. Gespannt bin ich immer wieder aufs Neue, wohin mich die einzelnen Jubiläen führen. Manche Namen kenne ich vom Hören-Sagen, manche sind mir persönlich bekannt und von manchen erfahre ich, dass sie jemanden kennen, den ich kenne. Dann muss ich erklären, wo ich denn hingehöre (Lais - nein nicht aus Grißheim, Wehrle - Richtberg - ah ja, denn Philip hab ich gekannt. Krass). Mal sitzen wir im Wohnzimmer mit der Familie, mal versammelt sich alles was Beine hat in der Küche - ein Stuhl hat immer noch Platz wenn sich zur Nachbarschaft noch Vereinsvertreter gesellen.

Lustig geht es allemal zu. Wenn zum Beispiel ein Ehejubilar meint, statt einer Urkunde hätte er wohl eher eine Tapferkeitsmedaille verdient. Schreiben kann ich das leider nicht.

Wer auf 90 gelebte Jahre zurückblicken kann (und darf) der hat allerhand zu erzählen. Und unweigerlich kommt die Sprache auf den 2. Weltkrieg. Die Schrecken einer Zeit, in der man ihnen die Kindheit und Jugend gestohlen hat. Missbraucht für den Größenwahn. Das Trauma dieses Krieges hat diese Generation geprägt. Die Erinnerungen haben sich versteck. Verblasst sind sie nicht. Sie sind jederzeit wieder abrufbar. 

Sie erzählen von den Entbehrungen der Nachkriegszeit, dem Wiederaufbau und dem Versuch, die Schrecken hinter sich zu lassen. Was nicht immer gelungen ist. Es gab weder Unterstützung bei Posttraumatischer Belastungsstörung noch psychologische Betreuung für vergewaltigte Frauen und Mädchen. 

Ich schrumpfe innerlich auf stecknadelkopfgröße zusammen vor Demut. Meistens vergesse ich mitzuschreiben und wenn ich wieder zu Hause bin fällt mir auf, dass ich nicht mehr weiß, aus wie vielen Kindern, Enkel und Urenkeln denn jetzt die Familie genau besteht. Das steht ja sonst immer in den Artikeln über Jubilare. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig, finde ich.

Noch leben diese Zeitzeugen und ich fände es schön, wenn Schulen die Chance ergreifen würden, die Geschichte dieser unsägliche Zeit nicht abstrakt zu vermitteln, sondern von Menschen, die dabei waren. Ich bin sicher, dass diese Methode der Wissensvermittlung wesentlich effektiver wäre. In diesen Tagen scheint es mir sowieso angeraten zu sein, die Folgen rechten Gedankengutes etwas deutlicher zu erklären.
Es soll mir ja keiner erzählen, diese Menschen seien zu alt und gebrechlich, um davon berichten zu können. Diese Zeit hat sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt, da ist nichts verloren gegangen. Und, wie gesagt, noch gibt es sie, die 90-jährigen mit beneidenswert guter geistiger und körperlichen Gesundheit.

Ich treffe nicht auf verbitterte Menschen. Im Gegenteil. Ich treffe auf heitere, gelassene Menschen, die mit sich und ihrer Vergangenheit Frieden geschlossen haben. Die trotzdem dankbar sind. 

Für mich sind diese Besuche ein Geschenk. Nicht nur wegen Schnittchen und Sekt.