Mittwoch, 24. Juni 2015

Mittagsschlaf interruptus

Seit ich mit 14 Jahren vier Wochen zur Kur war, bin ich ein glühender Anhänger des gepflegten Mittagsschlafs. 

Auch für unsere Eltern war ihre Siesta am Samstag- und Sonntagnachmittag heilig, was für uns Kinder natürlich bocklangweilig war, aber hey, wir haben es unbeschadet überlebt. 

Manchmal lege ich mich nachmittags im Wohnzimmer aufs Ohr. Ein zehnminütiges, knackiges Schläfchen und die Welt ist wieder in Ordnung.

Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht es in acht von zehn Fällen folgendermaßen aus:

Nachdem ich mein müdes Haupt gebettet habe, kommen schon die ersten Schmeißfliegen, um zu sehen, ob die Liegende schon im Zustand der Verwesung ist. Dass dem mitnichten so ist, stört besagte Schmeißer nicht im geringsten, so dass sie mich mit ihrem Gesumme in den Wahnsinn treiben. Ich mache dem ein Ende, in dem ich die Fliegen samt ihrer Nachkommen an die Fensterscheibe klatsche.

Zeitgleich mit meinem Darniedersinken macht sich unsere Hündin Mona auf den Weg, um an meinem Kopfende ebenfalls einen neuen Schlafplatz einzunehmen. Möglicherweise will sie ihr Frauchen während des Schlafes beschützen. Allerdings liegt sie strategisch eher ungünstig in einer Nische hinter mir. Im Falle eines Angriffes findet sie es wohl geschickter, dass sie erst mal mich vorschickt. Erschwerend kommt hinzu, dass sie mir durch grunzen, brummen und schmatzen hörbar zu verstehen gibt, dass sie in meiner Nähe ist. Natürlich weise ich sie streng darauf hin, dass sie ihre Klappe halten soll, kurz darauf ist Ruhe.

Allerdings nicht lange, denn nun steht Emmely vor der Türe und begehrt mit ihrer Piepsstimme Einlass. Wir haben keine Katzenklappe, weil ich erstens keine Loch in der Türe haben möchte und zweitens reicht es mir, wenn sie mir ihre Beute in den Flur schmeißt, die brauche ich nicht in der Wohnung. Natürlich möchte sie auf der Stelle ihr Fressen haben, das allerdings nicht gut zu erreichen auf dem Boden steht, sondern erhöht. Erhöht deshalb, weil sich unsere Tiere wie Junkies auf das Futter des anderen stürzen.

Nach dem Fressen möchte Frau Katze natürlich wieder raus und ich starte einen letzten Versuch, mich hinzulegen (nicht, ohne vorher das Katzenfutter in Sicherheit zu bringen). Mona weiß noch vor mir, dass dies ein hoffnungsloses Unterfangen ist und verlässt ihren Platz hinter mir, um sich auf ihren angestammten Platz zu begeben. 

Kurze Zeit später kreischen im Garten Spatzen Zeter und Mordio. Ich gehe davon aus, dass Emmely auf der Pirsch ist und sehe mich genötigt, nach dem Rechten zu sehen. Von Emmely ist allerdings weit und breit keine Spur. Ich gebe meine Pläne nun endgültig auf und trinke stattdessen ein Tässchen Kaffee.

Emmely kommt wieder, begibt sich mit einem eleganten Sprung auf's Sofa, putzt sich sorgfältig und hält ihren einstündigen Mittagsschlaf.  

Kurz spiele ich mit dem Gedanken, sie einfach unsanft zu wecken, verwerfe aber meinen Plan. Ihre Rache könnte unangenehm werden.






    

Samstag, 20. Juni 2015

Vom puren Vergnügen

Eigentlich wollte ich in Ruhe meinen neuen Post schreiben, allerdings sucht im Zimmer unter mir Hartmut Engler lautstark nach Indianern, um mir danach seine Liebe zu gestehen - eine Liebe, die ich leider nicht erwidern werde. Mit der Konzentration auf das Schreiben ist es deshalb gar nicht so einfach.

Nach eingehendem Studium des Urkundenbuches der Stadt Neuenburg und der daraus resultierenden Recherche im Internet habe ich nun endlich den endgültigen Plot meines nächsten Buches gefunden. Tatsächlich bin ich auf zwei - in meinen Augen - mysteriöse Todesfälle gestoßen, die ich wunderbar als Aufhänger nutzen kann. Die ersten Kapitel sind geschrieben und ich bin sehr gespannt, wohin mich meine Figuren führen werden.

Wozu sind denn schließlich Freunde da - und schwupps ist der Gedanke weg.

Neuenburg am Rhein um das Jahr 1344 war ein blühendes Gemeinwesen innerhalb einer wunderschönen Stadt. Außer ein paar ausgegrabenen Mauerresten und Fundstücken ist davon nichts übrig geblieben. Das macht mich wütend, traurig und betroffen. Dabei denke ich nicht an das verheerende Hochwasser, dass einen Teil der Stadt in den Fluten des Rheins versinken ließ. Wer so nahe an ein Gewässer baut muss damit rechnen, dass das schief gehen kann. Es endet meist zwangsläufig in einer Katastrophe, sich gegen natürliche Gegebenheiten zu stellen. Allerdings ist da die Menschheit relativ beratungsresistent. Sonst wäre man z.B. nie auf die Idee gekommen, Kernkraftwerke ausgerechnet in Erdbebengebiete zu bauen - oder überhaupt Kernkraftwerke zu bauen.

Wenn ich heute in den Nachrichten Bilder sehe von zerbombten Städten, mutwillig zerstörten Kulturschätzen und vom großen Leid vieler Unschuldiger bleibt mir nur das Fazit, dass Menschen schon immer den Drang hatten, aus Gier nach Macht und Reichtum eine Schneise der Verwüstung zu schlagen. Und komme mir keine mit religiösen Motiven. Weiterentwickelt oder gar aus der Geschichte gelernt haben wir nicht. Die Wahl der Waffen ist eine andere und die Orte haben sich verlagert. Aber sonst? Alles wie gehabt. Krieg und Zerstörung bis kein Stein mehr auf dem anderen steht.

Lena - wer, bitteschön, kann da einen vernünftigen Gedanken fassen?

Was mir bleibt, ist die Erinnerung an längst vergangene Zeiten zu bewahren. Meinen Lesern nahe zu bringen, wie es gewesen sein könnte. Abgesehen vom Wer, und vor allem Warum jemand das Zeitliche segnen musste. 

Hör gut zu du bist mein Glück - vielleicht heißt eines der Opfer Hartmut, ein zwielichter Barde zur falschen Zeit am falschen Ort. Ebenso wie die geheimnisvollen Helene.  

Donnerstag, 11. Juni 2015

Open Air

Gestern wurde die Open Air Zeit in Neuenburg eröffnet. Das Angebot, Irish Folk Music auf dem Platz vor dem Bonifacius-Amerbach-Haus zu hören, habe ich mir nicht entgehen lassen. Das Bonifacius Amerbach Haus war mal das Schulhaus in einer Zeit, als alle Kinder der Stadt in einem Schulhaus untergebracht werden konnten. Jetzt beheimatet es unter anderem die Stadtbücherei und heißt Bonifacius Amerbach. Oder BoniAm (also das ist jetzt mein persönlicher Wortwitz). Ihn nicht zu kennen ist nicht unbedingt eine Bildungslücke.

Was ich im Sommer in meiner Stadt wirklich genieße (neben der Eisdiele, von der ich nach dem Sommer die goldene Kundenkarte erhalte) ist, dass ich die Möglichkeit habe, in geselliger Runde nette Leute zu treffen und mich dabei unterhalten zu lassen. Und ich kann sicher sein, immer jemanden zu treffen, den ich kenne. Silke und Wolfgang zum Beispiel. Oder Silvia. Die treffe ich immer. 

Ich hatte mich mit Gaby verabredet. Leider konnte Hubert nicht mit, der hatte sich an der Wade verletzt. Die beiden sind ein gutes Beispiel dafür, dass man es mit dem Sport im Alter nicht übertreiben sollte. Gaby hat nämlich eine lädierte Schulter.

Bevor ich aus dem Haus gehe achte ich natürlich immer darauf, dass mein Aussehen Gnade vor den Augen meiner Töchter (gestern nur vor Theresas, Mäc war unterwegs) findet. Also schnell noch geduscht und Haare gefönt. Damit die Haare auch ganz besonders gut liegen entschloss ich mich, diese nicht einfach wuschelmäßig zu föhnen, sondern sie mittels Rundbürste in Form zu bringen. Ein fataler Entschluss. Ich drehte mir besage Rundbürste mit so viel Schwung in den Hinterkopf ein, dass ich sie nicht mehr heraus bekam.

Was tun sprach Zeus. Mit einer Rundbürste am Kopf in den noch nassen Haaren konnte ich mich ja unmöglich blicken lassen. Unter Geziepe und Gezerre versuchte ich, Strähnchen für Strähnchen mein Haar zu befreien. Die Idee, zu Theresa zu gehen und sie um Hilfe zu bitten, habe ich schnell verworfen. Sie hätte sich wahrscheinlich weggeworfen vor Lachen.

Es half leider alles nichts - ein nicht unerheblicher Rest musste ich mit einer kleinen Nagelschere rausschneiden. Ich ging dann zu Theresa und wollte sie fragen, ob sie auch mitgehen möchte zum Irish Folk Abend. Sie und Jana saßen auf dem Bett in Mäcs Zimmer. Natürlich war ich gottfroh, nicht mit einer Bürste im Haar bei den beiden erschienen zu sein. Super.Theresas Mama ist zu blöd zum Haare föhnen.

Ich habe ihnen die Story trotzdem erzählt und Jana meinte, dass dieses Malheur auch ganz leicht passieren könne. Ich weiß jetzt nicht, ob diese Worte aus dem Munde einer Blondine wirklich trösten. Aber gefreut hat es mich trotzdem.

Irish Folk also. Wobei ich bis zu diesem Abend nicht wusste, dass Elvis, die Rolling Stones, Bob Dylan oder Johnny Cash aus Irland waren. Man lernt halt nie aus. 

Der Abend war sehr schön und natürlich waren Silke und Wolfgang auch da - neben vielen, die man eben so trifft. Ulrike und Silke hatten sich nach drei Stunden spontan dazu entschlossen, doch lieber keine Wurst zu essen und gegen Ende hörte man dann doch noch irische Klänge. Getanzt wurde auch, wobei zwei ältere Frauen auffielen, die entrückt vom Hier und Jetzt wild ihre Arme in die Luft warfen als seien sie in einem indischen Ashram. Irgendwie cool. Das würde ich mich nie trauen.

Ich hoffe das Wetter spielt mit und wir treffen uns alle wieder zum Johannsifest. 

Samstag, 6. Juni 2015

Von coolen Socken

Neulich meinte Bernd, sein Arbeitskollege habe erklärt, er sei im Pokalfinale Wolfsburg gegen Dortmund für Wolfsburg, weil er den Klopp nicht mehr leiden könne. Ich wusste gar nicht, dass er den kennt, meinte ich spontan.

Dann habe ich nach-gedacht. Natürlich beurteilen wir Menschen, die wir nicht kennen. Bei Promis und die sich dafür halten ist das auch ganz normal. Die meisten sind ja auch bestrebt, ein Bild von sich zu vermitteln - ob positiv oder negativ ist dabei völlig egal. Hauptsache, die Kohle stimmt. Wobei ich mich manchmal schon frage, ob jeder Furz, den ein Promi lässt, verbreitet werden muss. "Guido Maria Kretschmer gefällt Nenas Frisur". Schön für die beiden. Aber ist das tatsächlich eine Meldung im "Stern" wert? Findet das tatsächlich jemand interessant?

Plötzlich findet man den Streich nicht mehr gut weil er abgestiegen ist, den Papst findet man mal toll oder auch nicht - je nachdem, was er gerade mal wieder von sich gegeben hat, Jogi finden alle super weil er Weltmeister wurde, aber wehe, er vergeigt die EM nächstes Jahr. Zu allen haben wir eine Meinung und den Menschen dahinter sehen wir nicht.

Es gibt zahlreiche Bewunderer, die sich im Glanze der Schönen, Reichen und Bedeutenden sonnen in der Hoffnung, es möge auch ein wenig Glanz auf sie selbst abfallen. Wenigstens solange Besagte schön, reich und vor allem bedeutend sind. Sollten sie allerdings ein Attribut verlieren, ist relativ schnell Schluss mit Lustig. Dann kann man die plötzlich nicht mehr leiden.

Selbstverständlich werden wir danach beurteilt, mit wem wir uns abgeben. Dieses Denken gilt natürlich auch in beschaulicheren und weniger berühmten Kreisen. Da zeigt man sich doch nur allzu gerne mit den vermeintlich Wichtigen der Stadt auf irgendwelchen Events (oder man lädt sie zu sich zum Mittagessen ein) im Glauben, sich dadurch aufzuwerten. Aber auch hier nur so lange, wie der vermeintlich Wichtige auch wichtig genug ist.

Dann habe ich weiter nach-gedacht und mir überlegt, welches Bild ich vermittle. Wie ich beurteilt und wahrgenommen werde. Bestimmt danach, was ich so auf meinem Blog schreibe. Und sonst? Ich bin weder reich, schön noch bedeutend. Ich kenne auch niemanden, der diese Kriterien erfüllt. Auch nicht auf lokaler Ebene. Wie wirke ich auf andere und ist mir das wirklich wichtig?

Natürlich findet man es cooler, wenn man gemocht wird. Da nehme ich mich nicht aus. Wobei ich befürchte, dass mir meine Freundschaft zu Elisabeth schon den ein oder anderen Minuspunkt eingebracht hat. Andererseits wird man mit dem Alter gelassener, sprich, es interessiert nicht mehr wirklich, was andere von mir denken die ich nur oberflächlich bis gar nicht kenne.  

Neulich ist mir im Internet folgendes Zitat über den Weg gelaufen, das mir in diesem Zusammenhang sehr gut gefallen hat:

"Es gibt Leute, die mögen mich nicht für das, was ich sage. Jetzt stellt euch mal vor die wüssten, was ich denke." 


Den Verfasser des Zitates kenne ich leider nicht.

Wie gesagt, im Alter wird man in der Frage, ob man gemocht wird oder nicht, etwas gelassener (jedenfalls sollte es so sein. Alles andere wäre irgendwie albern). Diese Gelassenheit könnt man allerdings schon in jungen Jahren gut gebrauchen. Beim weiteren Nach-denken dachte ich an den diesjährigen Abitursjahrgang und an die bevorstehende Abifeier. Ich hoffe, Rektor Kaltenbacher findet passendere Worte als im letzten Jahr und reduziert und bewertet diese jungen Menschen nicht wieder auf die Anzahl der erreichten Punkte.
Eigentlich müsste jeder von ihnen vor der Feier vor den Spiegel stehen und laut sagen: Ich finde mich toll (wahlweise saucool, megastark, geil, sensationell - was halt grad passt). Man sagt, Eigenlob stinkt. Allerdings bin ich der Meinung, dass es für die Entwicklung hin zu einer starken Persönlichkeit unbedingt notwendig ist, zunächst einmal sich selbst so anzunehmen wie man ist. Sich toll zu finden (oder was gerad so passt), ohne ständig darüber nachzudenken, was andere von mir halten. Bei allem was man tut, nicht zuerst darüber zu grübeln, was andere darüber denken. Authentisch zu sein. Wahrhaftig.

Ach ja: Ich finde, ich bin eine ganz schön coole Socke. 

Montag, 1. Juni 2015

Wein & Musik

Was unsere sonntägliche Freizeitaktivität anging, so hatte ich gestern die Wahl zwischen "s'Eige zeige - s'Eige schnaige" in Auggen (mit dem Rad) und "Wein & Musik" in Staufen.

Leider, leider gilt die Betriebserlaubnis meines Fahrrades nur innerhalb der Neuenburger Stadtgrenze, so dass wir nach Staufen fuhren. Ob er wirklich in seinen Pantoletten gehen wolle, fragte ich meinen Gatten nicht ohne Grund. Ich finde nämlich die Dinger auf Kopfsteinpflaster relativ unbequem. Aber gut, der Mann ist ja alt genug. 

Ich liebe Hocks und Feste schon alleine aus dem Grund, weil es ein unglaubliches Panoptikum menschlicher Daseinsformen zu bestaunen gibt. Oder vielleicht war gestern in Staufen auch noch der Bad-Taste-Day, keine Ahnung. Putzig fand ich beispielsweise das ältere Ehepaar, das im Partnerlook übers Gelände marschierten. Also mit identischer Bluse und Hemd. In Bunt. So hätten uns unsere Kinder nie aus dem Haus gelassen.

Meine Mädels feierten derweil den Aufstieg des FC Auggen in Oberried. Resi ist übrigens wieder gut von ihrer Mallorca-Reise zurückgekehrt, Knackebraun (in Pannipitiya würde man sagen: like Sarah). Meine Frage an Linda, ob sie Theresa in den Toaster gesteckt hätten, verneinte sie glaubhaft. Was ich angesichts der eher zartbraunen Schwaben kaum glauben konnte. Aber vielleicht liegt man ja im Schwäbischen unter den Liegestuhl. Das würde einiges erklären. 

Als wir kamen spielten auf dem Kronenplatz "Moritz & the Horny Horns" (ich habe mir den Namen nicht ausgedacht). Sie erinnerten mich teilweise an die "Milestone" in 30 Jahren. Die Musik war gut und laut. Mir taten ja die Hunde leid, für die es sicher nicht sehr angenehm gewesen ist. Ich bin mir nicht sicher, ob Hunde laute Musik wirklich mit Kunstgenuss verbinden. Dafür engagieren sich ihre Besitzer wahrscheinlich in diversen Bürgerbewegungen gegen Flug-, Bahn- und sonstige Lärmquellen.

Er hätte doch andere Schuhe anziehen sollen, meinte Bernie etwas später. Zumal sich vorne rechts die Sohle löste. Ach was.
Wein & Musik geht auch mit Bier
Was neben einem Gläschen Sekt mein Blut ebenso in Wallung brachte, war der Anblick einer rauchenden, hochschwangeren Frau. Von mir aus können sich Menschen ins Koma saufen, sich mit Drogen eine bunte Welt zaubern und Adrenalinjunkies rückwärts mit verbundenen Augen, auf einem Bein hüpfend auf einer Slackline zwischen der Zugspitze und dem Matterhorn ihre Grenzen austesten. Mir egal. Sie alle schaden in erster Linie sich selbst. Aber rauchende Schwangere? Wie krank ist das denn? Und gestern war auch noch Weltnichtrauchertag. 





Donnerstag, 28. Mai 2015

Von Neuenburg nach Furtwangen

Im Internet gibt es ab und zu ganz witzige Sachen. So hat ein Computerprogramm behauptet, es könne anhand dessen, wie ich in meinem Dialekt Dinge bezeichne, erkennen, woher ich komme.

Mich hat das Programm in Furtwangen verortet.

Usgrechnet ich us Furtwange. Dert lit doch sicher noch Schnee um de Johreszit. Mille wär jo no gange. Also nit gege Furtwange. Dert isch es sicher au schen. Aber ich in de Schwarzwald? Wie des Programm do druf kunnt, weiß ich nit.

Im Grund gnu isch es doch so, dass, was de Dialekt (in mienem Fall alemannisch) ageht, vu Ortschaft zu Ortschaft anderscht gschwätzt wird. In menge Usdrück sogar vu Hus zu Hus. Ich weiß no wo ich klei war, do het mi Freundin gsait, sie isst gern Gutzelebrot. Ich ha dann denkt, des ka jo nit si, dass de sich ä Bonbon ufs Brot legt. Also mues Gutzele wohl Marmelad si. In unserem Hus aber nit. Des hängt wohl dodetmit zemme, dass mi Muetter us de Werkssiedlung Richtberg stammt (un ihri Eltere us em Simmiswald) und mi Vater war us Regensburg. Un schu hät sich des mit em Alemannsiche ä weng verwischt.

Überhaupt mues ma jo schu wäng Angscht ha, dass des mit unsere Sproch verlore geht (ich sag jo au geht un nit goht). Mini Kinder kenne alli alemannsich schwätze, am beschte no s'Magda. Aber sie war au als Kind viel bis Anlickers (des isch sie zwar jetz au wieder, aber des sin anderi Anlicker) un dert wird halt no richtig alemannisch gschwätzt, wo bi uns halt de Vater us Friburg, d'Oma us de Richtberg un de Opa us Bayern kunnt. Ihr sotte mol höre, wenn de Bernd de Namme Rueb usspreche duet. Über Rüb, Rub, un Röb isch alles debi. Aber richtig treffe duet er's nit. 

Bi uns isch es uf jede Fall so, dass ich überhaupt kei hochditsch ka. Ich ka hochditsch schriebe, denke un singe - aber uf em Weg vum Kopf uf mi Zunge wäre d'Wörter audomatisch übersetzt. Do ka ich nit defür.

Im Ferielager hen d'Elke un ich gwettet, dass mir ä ganze Dag nur hochditsch schwätze. Do hän mir wohl z'viel Röteli drunke. Jedefalls bin ich am Morge ällei in de Kuchi gstande un ha denkt, was hesch jetz wieder für ä Saich gmacht. Jetz muesch de ganze Dag de Schnabel halte. No ischs Elke ineku, mir hän uns agluegt und sofort entschiede, dass mir der Schissdreck abbreche.  

In de Schuel hän mir jo au miesse nach de Schrift schwätze. Des het au nit bi allene klappt. Mängi hän dann denkt, ich ka jo eifach ä alemannisches Wort hochditsch usspreche. "Naimenduren hat der Autor recht". Mir sin fascht am Bode glege vor Lache.

Es wär wirklich schad, wenn unser Dialekt verlore gieng. S'git eifach Wörter, die kasch gar nit übersetze. Un die hän je nachdem au ganz anderi Bedeutungen (also ich schrieb jetzt absichtlich Bedeutungen -Bedidige sieht eifach z'bled us). Jetz übersetz mol einer "Saich". 
"So ä Saich" ka ma ja no sage "So ein Mist". Wobei Mist schu was anderes isch als Saich. Un es trifft es au nit ganz. Un wenn es dusse saicht, dann regnet's halt ä weng stärker als sunscht. "Ich ha als immer gsait ..." Was heißt des "als"? 

Ich ha emol glese, dass des Hochditsche d'Sproch vum Verstand isch. Un ä Dialekt isch d'Sproch vum Herze.

Für meine Leser außerhalb des alemannsichen Sprachraums war dieser Text sicher nicht einfach zu lesen und zu verstehen (wenn überhaupt). Wir brauchen eben auch einen gemeinsamen Nenner, um uns zu verstehen - was in anderen Ländern auch nicht anders ist. 
Unser Dialekt ist andererseits ein Teil unserer Identität. Er benennt unsere Wurzeln. Auch wenn meine mal eben von der Rheinebene in den Schwarzwald verlegt wurden. 

Sonntag, 24. Mai 2015

Dumm gelaufen

Eigentlich kann es mir egal sein, ob der SC Freiburg in der 1. oder 2. Bundesliga spielt. Ich kenne niemanden der Verantwortlichen persönlich und bin keine Angestellte des Vereins. Mein Leben wird nicht bestimmt vom Tabellenplatz oder die Ligazugehörigkeit eines Fußballvereins. Soweit die Theorie. 

Ich bin Anhänger (oder muss ich jetzt Anhängerin schreiben?) des SC Freiburg, weshalb mich der Abstieg gestern natürlich ankäst. Aber wie. Wenn ich mir dann noch anschaue, wer drinbleiben darf, dann ... mich das schon an.  

Wir alle wissen, dass sich das Schicksal nicht erst gestern gegen den SC Freiburg verschworen hat. Die Punkte hat man unnötigerweise während der ganzen Saison verschenkt. Und dass Schalke 04 sich der allgemeinen Streikwelle in Deutschland angeschlossen hat, war eigentlich auch abzusehen. Offensichtlich haben sie die neue Form des passiven Streiks (dabei ist man zwar körperlich anwesend, arbeitet aber nicht) zelebriert. In Hamburg hat man deshalb wohl auch Scheiße 04 skandiert (man möge mir die derbe Ausdrucksweise verzeihen), was den Nagel aber auf den Kopf trifft.

Über weitere Gründe des Abstiegs möchte ich mich nicht weiter auslassen. Das steht mir nicht zu. Das überlasse ich gerne den Foristen der BZ und anderen Experten (oder die sich dafür halten). Mein lieber Mann. Wer sich da alles berufen fühlt seine Meinung kundzutun.
Sehr nett fand ich das Statement von Toni Kroos, dem es um den SCF und Christian Streich leid tut. Ist ja gut gemeint, tröstet aber nur bedingt.
Er könnte ja im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes ein Jahr für den Sportclub spielen und so zum sofortigen Wiederaufstieg beitragen. Mit Real Madrid hat er ja auch nicht so viel gerissen. Jedenfalls würde mir diese Form der Solidarität sehr gut gefallen. Er müsste auch nicht umsonst arbeiten. Neben einem Taschengeld in Höhe von € 363,- stehen ihm eine kostenlose Unterkunft sowie Verpflegung und Dienstkleidung zu. Also ich finde, das hört sich nicht schlecht an.

Gefreut habe ich mich über die Beileidsbekundungen meiner Schwester aus Starnberg. Mein Schwager war (und ist es wohl noch immer) untröstlich. Na ja, er hat ja immer noch den FC Bayern. Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob man sich wirklich so wahnsinnig über die 25. Meisterschaft freut. 

Als Fan des SC Freiburg ist man ja einigermaßen abstiegserprobt. Man mag das System Bundesliga beklagen, in dem schon längst Großkonzerne und sonstige Investoren das Sagen haben und in dem man sich ohne weiteres bis zum Anschlag und darüber hinaus verschulden kann. Man kann es beklagen und versuchen, einen anderen Weg zu gehen. Allerdings ist da die Gefahr des Abstiegs immer mit einbegriffen. Wobei der in diesem Jahr so unnötig wie ein Kropf war. 

Für Bernie war gestern natürlich ein Sch...tag. Ihn nimmt der Abstieg wohl am meisten mit. Aber der SC ist eben sein Verein, hier hat er Fußball gespielt und im Laufe der vielen Jahrzehnte manches Tal der Tränen durchschritten.
Dann war er auch noch beim letzten Heimspiel des FC Neuenburg, über das wir hier den Mantel des Schweigens legen.
Schlechter hat es nur noch Theresa getroffen. Die ist seit gestern mit 7 Schwaben auf Mallorca. Ich hoffe, sie behandeln sie gut.

Sportlich einziger Lichtblick war in dieser Saison somit eindeutig die Damenmannschaft des FC Neuenburg, die das entscheidende Spiel um den direkten Klassenerhalt für sich entscheiden konnte. Da können sich die Herren mal ein paar Scheiben abschneiden, was Einsatzwille und Kampfgeist angeht. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass die Leistung der Mädels etwas mehr Würdigung verdient hätte.

Obwohl ich mir das gestern alles ganz anders vorgestellt habe, habe ich mir meinen Hugo schmecken lassen. Warum auch nicht. Denn eigentlich kann mir das Ganze egal sein.