Dienstag, 19. Januar 2016

Fasnachtsauftakt

Mit dem Besuch des Regio-Gugge-Treff der StrauSchoeh-Schlurbi in Heitersheim habe ich zusammen mit Mac am vergangenen Samstag meine Fasnachtskampagne gestartet. Für meinen Geschmack der perfekte Auftakt.

Die Zeiten, in denen man Guggemusik mit der Kunst der schrägen Töne verbindet, sind schon längst vorbei. 

Als wir in Heitersheim ankamen, war der erste große Ansturm schon vorbei, so dass Mac und ich wenigstens am Eintritt nicht noch lange in der Kälte haben anstehen müssen. Mit einem kurzen Blick in die Halle verschafften wir uns einen ersten Überblick und fröhlich hüpfend kamen uns dann auch gleich Hannah und Caroline entgegen. Wir waren also nicht die einzigen Neuenburger. Die Band "Lautstark" spulte das Fasnachts-Stimmungs-Repertoir ab, und auch in diesem Jahr kommt man wohl an Helene der Unvermeidlichen nicht vorbei. 

Über die Ankündigung, dass in diesem Jahr auch die Muhlis aus Badenweiler auftreten würden, haben wir uns sehr gefreut. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, so möchte ich die Muhlis als eher unkonventionell bezeichnen. Mögen Hose und Shirt auch einheitlich pink und schwarz sein, so ist der Rest doch freestyle und ein Hauch von Anarchie macht sich breit. Dudelsack, Gitarre, Akkordeon und eine Art Trötenflöte - auch nicht unbedingt die klassische Besetzung einer Guggenmusik. Aber es ist auch hier wie im richtigen Leben - wenn du das, was du tust, außerordentlich gut und besser machst als andere, ist es völlig wurscht, wie du aussiehst. Es kommt auf den Inhalt an und nicht auf die Verpackung.

Das ist ja mal ein Statement, dachte ich, als sie "Schrei nach Liebe" von den "Ärzten" spielten. Normalerweise neige ich nicht zu sprachlichen Entgleisungen (außer, wenn Franzosen im Auto vor mir her fahren), das "Arschloch" im Refrain kam mir allerdings mühelos über die Lippen.

Nach dem Muhli-Auftritt ging es dann erst Mal Resi besuchen, die in der "It's-all-about-that- bass-Bar" Dienst tat. Mac tat sich an einem Jäger-Bull gütlich. Da denkt man, man hat als Mutter keine großen Fehler gemacht, und dann trinken die Kinder Jäger-Bull. Aber jetzt ist es zu spät.

Zurück in der Halle standen wir dann so rum und warteten auf einen weiteren Höhepunkt des Abends - den Auftritt der Gastgeber. Da fiel mir ein roter Anorak auf. Dann ordnete ich diesen der dazugehörigen Person zu, dachte das kann nicht sein, realisierte, dass dem doch so war und fand es mal wieder erstaunlich, welche Überraschungen das Leben doch bieten kann. Vor uns stand Elisabeth, die sich auf unsere erstaunte Nachfrage als großer Guggemusikfan outete. Mit ihr hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet. Als würde der Papst bei der evangelischen Bischofssynode auftauchen. Da denkt man, man kennt einen Menschen ...

Arrogant und hochnäsig seinen sie, die S³. Das war jedenfalls die Meinung zweier Besucher, die ich belauscht habe (ich habe mich gefragt, warum sie dann überhaupt da waren, aber gut). Der Vorwurf dürfte den so gescholtenen bekannt sein. Aber diesen Neid muss man sich erst mal erarbeiten. Das ist ein wenig so wie beim FC Bayern. Wie diese, so spielen auch die Heitersheimer in meinen Ohren ein wenig in einer anderen Liga. Und das erreicht man nur durch viel Arbeit. Diesen Status erlangt man nicht einfach so. Da darf man schon mit breiter Brust durchs Leben gehen.

Ich weiß nicht, ob Kurt Cobains geschundene Seele ihren Frieden gefunden hat. Das "Smells like teen spirit" dürfte jedenfalls zur Heilung beigetragen haben. 


Bevor die ganzen Betrunkenen angefangen haben zu nerven, machten wir uns auf den Heimweg. Natürlich nicht, ohne uns von Resi zu verabschieden. So standen wir also vor der Bar, als sich ein Muhli dazugesellte. Resi kannte ihn und ich stellte mich ihm vor als die Mama. Das wüsste er, meinte er. Er kenne mich von meinem Blog. Wow. 

Dank meines unterirdisch schlechten Personengedächtnisses habe ich keine Ahnung mehr wie er heißt oder wie er aussieht. Aber Junge: You made my day. Sorry Andi, ich glaub ich hab einen neuen Lieblings-Muhli.








Donnerstag, 24. Dezember 2015

www - worldwideweihnacht

Weihnachten. Fest der Freude, der Familie und der Rituale. Letztere sehen bei uns folgendermaßen aus: Am Heiligen Abend versammelt sich die ganze Familie bei Würstchen und Kartoffelsalat, dann gibt es Geschenke und wer dann noch nüchtern ist, geht in die Christmette. Ach ja, und die Geschenke auf den letzten Drücker gibt es auch noch.

So komme ich also relativ abgehetzt mit meinen aller-allerletzten Geschenken nach Hause. Aber ach, kana da. O man, alle fuerte. Malle sehen, wo sie sind. Von Resi liegt wenigstens ein Zettel auf dem Küchentisch: Bin in meinem Zimmer und chile. Sudan mache ich mich auf die Suche nach dem Rest. Matze ist wahrscheinlich mali wieder unterwegs, mal ta, mal ta, aber sonst?

Ich gehe in die Küche, wo mich fast der Schlag trifft. Wie sieht es denn hier aus? Das totale Laos. Da war wohl Mäc am Werk. Gott sei Dank kommt Bernie, um mir bei den weiteren Vorbereitungen zu helfen. „Jetzt peruig dich erst mal, alles halb so wild“, tröstet er mich.

Da kommen auch schon meine beiden Töchter. „Was habt denn ir an? Entfährt es mir angesichts ihrer Glitzerkleider, die sie zur Feier der Heiligen Nacht tragen. Statt einer Antwort geht Resi wie immer zum Radio, um die Stimmung mit Musik etwas feierlicher zu gestalten. Es kommt aber nur DomRep und Bernie stellt entnervt das Radio wieder aus.

Übrigens, Simon kommt nicht“, meinte Mäc. „Er ist krank.“
Oh, hoffentlich hat er keine Salomonenvergiftung vom Essen gestern“, erwidere ich besorgt.
Nein, nein, nur ein Katar der oberen Luftwege“, beruhigt mich Mäc. Der immer mit seinen Algerien, denke ich, sage aber: „Tschad, da kann man nix machen. Na immer noch besser als Fußschweiz“.
Dafür machen mir mal wieder die Beine weh. „Da ist bestimmt eine Vene zu. Ela hat das nämlich auch immer.“ diagnostiziert meine Tochter mein Leiden.

Matze ist wohl noch unterwegs, Fidschi fahren. Aber auch das kennen wir, der kommt generell erst zur allerletzten Minute. Kurz darauf steht er im Wohnzimmer. „Hast du die Geschenke dubei“, wie immer ist Resi besorgt, dass Matze die Geschenke vergessen haben könnte. „Nor wegen dir komm ich immer in Stress,“ mault Resi ihren Bruder an. „Schweden mir? Stimmt doch gar nicht. Du hast ja schon seit Tagen Nasenbluten.“

Nun sind wir vollzählig, alle sitzen erwartungsvoll am Tisch, die Gabun liegen unterm Christbaum und alle bestaunen die Krippe. „Das san Marinoschafe“ erkläre ich stolz meine krippalen Neuzugänge, was alle mit Wohlwollen kommentieren.

Benin dich gefälligst“ raune ich Bernie zu, als der sich ein Wienerle nehmen will, noch bevor das Tischgebet gesprochen wurde.
Auch für dich und für mich ist der Tisch gedeckt, hab Dank lieber Gott, dass es uns gut schmeckt. Jemen“. Endlich. Bernie greift beherzt zu. Was Vati kan, kann ich auch denken sich unsere Kinder und alle laden ihre Teller voll. Ich mache das nur ungarn, das sieht immer so gierig aus.

Krieg ich auch Wein?“ fragt unsere Jüngste. “So zur Feier des Tages könntet ihr doch mal eine Ausnahme machen“, bettelt sie.
Kommt gar nicht in Frage“, erwidert der Herr Papa. „Du kannst höchstens Milch mit Kuba trinken.“ Sein strenger Blick duldet keine Widerrede.
Ja mei, ka ma nix machen“, fügt sich Mäc in ihr Schicksal und vietnam sich statt dessen noch ein Wienerle.
Möchtest du noch einen Schluck Wein?“ fragt mich mein Göttergatte. „Liba non“, war meine Antwort. Von zu viel Wein kriege ich schnell Kopfweh.

Ich schlage vor, wir singen in diesem Jahr 10 Lieder vor der Bescherung.“ Resi neigt wie immer zur Übertreibung. „Das kapverden wir sicher nicht“, war die höfliche, aber bestimmte Antwort ihres Bruders. Er hasst Weihnachtslieder. „Und warum nicht?“ So leicht gibt sich Resi nicht geschlagen. „Wales ich sage“. „Macho.“ „Blöde Kuh“.
Bevor die Stimmung endgültig umschlägt, stimme ich ein Lied an. „Macht hoch die Tür, Ecuador macht weit“, besänftigt augenblicklich die Gemüter.


Die Seychellen läuten und im Liechtenstein der Kerzen wird mir wie immer ganz warm ums Herz.



Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern überall auf der Welt

Frohe Weihnachten * Merry Christmas * Feliz Navidad * Joyeux Noel * God Jul * Hyvää Joulua * Buon Natale * Kala Christougenna * Mo'adim Lesimkha * Vrolijk Kerstfeest * Nollaig Shona Dhuit * Bon Nadal * Boas Festas *
Wesolych Swiat * Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi * Bella Festas daz Nadal * Nollaig chridheil *
Pozdrevlyayu sprazdnikom Rozhdestva * Krismas Njema Na Heri * Kellemes Karacsonyiunnepeket *
Idah Saidan Wa Sanah Jadidah * Subha nath thalak Vewa* 

Sonntag, 13. Dezember 2015

Think pink

Im Moment sieht man sich einer Fülle an Weihnachts-, Advents- oder Wintermärkten gegenüber. Prinzipiell finde ich alles, was Menschen zusammenbringt und sie gemeinsam feiern lässt schön und eigentlich lasse ich auch keine Gelegenheit aus, an solchen Events teilzunehmen. Außer im Winter. Da ist es mir schlicht zu kalt. Erschwerend kommt hinzu, dass ich keinen Wein trinke. Weder weiß noch rot und schon gar nicht in heißer Form. Und kalte Getränke im Winter zu trinken geht gar nicht. Desweiteren habe ich festgestellt, dass mir erhitzter Alkohol überhaupt nicht gut tut. Irgendwann schreibe ich mal meine Erfahrungen mit Nebenwirkungen von Russischer Schokolade auf. Man versteht dann vielleicht besser, was ich meine. 

Nachdem ich bereits gestern Morgen beim gemütlichen Küchengeburtstag bei Elisabeth eingeladen war und anschließend eine Redaktionssitzung (klingt cool - oder?) in Müllheim anberaumt war, hatte ich mir für den Abend, außer mit meinen Gefährten Mittelerde zu retten, nichts vorgenommen.

Dann meldete sich Elke bei mir, ob ich nicht Lust hätte, mit zur Waldweihnacht der Guggemuhlis auf der Schwärze zu gehen (was genau Guggemuhlis sind und wo die Schwärze ist wird in einem späteren Post erläutert werden - nur soviel: Sie machen Musik im weiteren Sinne). Elke würde mich abholen. Ich war mir sicher, dass meine Gefährten Mittelerde auch ohne mich retten würden und sagte zu. 

Zielsicher steuerte Elke den Parkplatz an und schon tauchten wir ein in einen Traum aus pink. Nichts mit zuckersüßem Weihnachtsgebimmel und Winterwonderland. Pretty in pink von der Deko bis zu den neckischen Weihnachtsmützen.














Da ich bei besagter Redaktionssitzung schon genug Motivationsbrause getrunken hatte, freute ich mich auf den angebotenen Kinderpunsch. Der Kinderpunsch sei aus, meinte der freundliche Muhli und ich sah ihn ungläubig an. Ernsthaft? Bei den Guggemuhlis aus Badenweiler ist der Kinderpunsch ausverkauft. Ein Widerspruch in sich.

Nun gut, dann gab es halt eine leckere Gutedelrahmsuppe. Wie versprochen ertönten dann Weihnachtslieder. Also die haben garantiert nicht den Kinderpunsch getrunken, dachte ich und nahm die Lieder auf, um sie einmal um die halbe Welt zu Theresa zu schicken. Ich bin immer noch total fasziniert von den technischen Möglichkeiten, die man heute hat. Aber ich stamme ja auch aus einer Zeit, in der es noch Telefone mit Kabel gab (immerhin hatten wir eines in grün) und Gespräche ins Ausland nur was für Multimillionäre waren.

Zwei Mädels versuchten, mit Schellen und Glöckchen die dargebotenen Weisen musikalisch zu verschönern. Der Versuch ist in meinen Ohren kläglich gescheitert - aber Hauptsache, die beiden hatten Spaß.

Dann krachte in der Nähe ein Böller, was die Besitzerin eines Hundes gar nicht witzig fand. Der arme Kerl hatte sich furchtbar erschrocken und zitterte am ganzen Leib. Zur Belohnung gab es dafür von Frauchen eine halbe Bockwurst. Logischerweise hörte das Zittern nicht auf. Konnte ja sein, dass Frauchen auch den Rest der Wurst spendierte.

Es war ein urgemütlicher Abend mit einem ganz eigenen Charme. Auf eine ganz besondere Art berührend. Also solange wir da waren jedenfalls. Und dank einer genialen Außen-Holzofen-nie-mehr-kalte-Füße-Heizung mit Theke habe ich überhaupt nicht gefroren.

Wieder zu Hause, waren meine Gefährten immer noch zugange und ich schaltete den Fernseher just in dem Moment ein, als Sam zu Frodo den Satz aller Sätze sagte:

"Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo, für das es sich lohnt zu kämpfen."

In diesem Sinne: Einen schönen 3. Advent


Dienstag, 8. Dezember 2015

Ein atemberaubender Abend

Vor ein paar Wochen fragte mich die Leiterin der Stadtbibliothek, ob ich nicht Lust hätte, an einer Buchlesung des Müllheimer Autors Harald Gritzner in historischem Gewande teilzunehmen. Gerne auch mit Mäc. Besagter Autor habe nämlich ein Buch geschrieben, das in Neuenburg im Mittelalter spielt. Das ist ja mal ganz was Neues, dachte ich, sagte spontan zu und habe mich auf einen interessanten Abend gefreut.

Man muss ja auch mal sehen, was die Konkurrenz so treibt. Wie stellt ein anderer die Zeit des Mittelalters in meiner Stadt dar. Wobei wir zeitlich beinahe 200 Jahre auseinander liegen. Aber egal. Gespannt war ich allemal.

Was ich in meiner Euphorie leider nicht bedachte war die Frage, ob ich überhaupt noch in mein Gewand passte. Zwei Tage vor besagtem Abend schlüpfte ich hinein und stellte fest, dass ich ohne Hilfe hinten im Freien stehen würde. Einen Plan B gab es nur insoweit, dass ich mir dachte, ich trage das Kleid mit einem Schultertuch. Wenn meine Mädels eines in Hülle und Fülle haben, dann sind es Tücher in allen Farben und Größen.

Dank Mäc funktionierte allerdings schon Plan A . Mehr oder weniger. Ich atmete ganz tief aus - und beneidete zum ersten Mal in meinem Leben Apnoetaucher. Mäc schloss den Reißverschluss und ich wagte ganz langsam und sehr, sehr flach wieder einzuatmen. Tief einatmen ging nicht und auch die Arme konnte ich nicht heben. Aber sonst ging es. Mäc hatte es da entschieden einfacher. Kutte-Gürtel-fertig.

Der Abend hat mir sehr gut gefallen. In aller Bescheidenheit darf ich sagen, dass Mäc und ich die perfekten Eyecatcher waren. Wir reichten Wein und Scharwaie, hier ein Schwätzchen, da ein Schwätzchen, also alles nach meinem Geschmack. Sehr gefreut habe ich mich über die musikalische Umrahmung in Gestalt von Herrn und Frau Haaf und Herrn Meier-Ehrat.

Welchen Aufwand ein Verlag für ein Buch betreibt, ist schon erstaunlich. Das ganze Drumrum war wirklich sehr beeindruckend. Da hat man eigens einen Stadtplan aus dem Jahre 1525 von einer Grafikerin gestalten lassen. Also so, wie man das sich vorstellt. Ist ja nichts mehr da an Vorlagen. Wirklich toll gemacht. Wobei mir zwei Kleinigkeiten aufgefallen sind, die ich anders sehe. Aber ich will ja hier nicht rumnölen.

Das flache Atmen und mein sehr aufrechter Gang begleiteten mich natürlich den ganzen Abend. Das Plan-B-Schultertuch hatte ich nämlich nicht dabei, und sollte der Reißverschluss nicht das halten, was er mir noch zu Hause versprochen hatte, dann hätte ich den Rest des Abends buchstäblich mit dem Rücken zur Wand verbringen müssen.  

Die Lesung brachte mir tatsächlich die erhofften Erkenntnisse für meine Schreiberei. Zum einen habe ich mir im Geiste auf die Schultern geklopft (ging auch nur im Geiste, ich konnte ja den Arm nicht heben) und mir im Stillen für meine Bücher gratuliert. Außerdem war mir der Abend Ansporn, mit dem eigenen Buch vorwärts zu kommen.
Mit einem Verlag im Rücken gestaltet sich einiges völlig anders. Die Unterstützung ist schon enorm.
Tja, und sollte ich mal wieder zu einer Lesung einladen, muss ich mir auf jeden Fall was ganz anderes überlegen.

Etwas schade fand ich, dass die erwähnten Musiker nach meinem Geschmack etwas zu kurz kamen. Die musikalische Umrahmung der einzelnen vorgelesenen Buchabschnitte hätte ich auf jeden Fall diesen hochkarätigen Musikern überlassen und nicht dem PC. Aber das soll's auch gewesen sein mit Kritik.

Gefreut hat mich die große Zahl an Zuhörern, so hat sich für das Team der Stadtbücherei wenigstens der Aufwand gelohnt. Zumal Lesungen in Neuenburg nicht immer gut besucht sind.


Mittwoch, 11. November 2015

"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen ...

... man weiß nie was man kriegt". 

Wer hatte gestern den Termin vor dem Verwaltungsgericht Freiburg auf dem Schirm, in dem es um die Bürgermeisterwahl ging und die Frage, ob die Wahl gültig war oder nicht ? Also ich nicht. Was sollte auch schon schief gehen? Dem Termin konnte man relativ gelassen entgegen sehen.

Gestern Nachmittag war es dann vorbei mit Gelassenheit. Völlig ungläubig saß ich vor dem PC und konnte nicht fassen, was auf BZ online zu lesen war: Bürgermeisterwahl ungültig, Neuwahlen (sofern niemand Einspruch gegen das Urteil einlegt). Rumms. Schockstarre. Die vermeintliche Lobhudelei über den amtierenden Bürgermeister Schuster in einem Artikel in der Stadtzeitung fünf Wochen vor der Wahl stellten eine unzulässige Wahlbeeinflussung dar. So so.

Das geschriebene Wort, egal wie es zum Leser kommt, hat heute eine immer geringer werdende Halbwertzeit. Information gelesen, zack, weg, nächste Info. Da kann mir niemand erzählen, er würde sich am Wahltag noch an einen Artikel vor fünf Wochen in der Stadtzeitung erinnern. Oder er habe sich eigens Notizen gemacht, um sich die Entscheidung zu seiner Wahl fünf Wochen später nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Lächerlich. Aber ich habe ja auch nicht Jura studiert und habe demnach keine Ahnung. 

Frau Wörlein jubelt, der Rechtsstaat habe gesiegt, als ob dieses Urteil eine Änderung in der Verfassung initiiert hätte. Hat es natürlich nicht. Es ist ein ganz normales Urteil, gefällt von einem unabhängigen Richter, ein anderer Richter wäre möglicherweise zu einem anderen Urteil gekommen. Teile ihrer Anhängerschaft kriegen sich vor Schadenfreude nicht ein und sehen Chancen auf eine erfolgreiche Wahl.

Mir war bis dato nicht bekannt, dass ich für solch ein bedeutendes Presseorgan wie dem Neuenburger Amtsblatt geschrieben habe. Dass unser Amtsblatt von so großer Bedeutung für die Leser ist, dass die Artikel sogar eine Wahl beeinflussen können. Krass. Hätte ich wirklich nicht gedacht. Sehr geehrter Richter Wolfgang Albers, sie beleidigen meine Intelligenz. Man kann zu besagtem Artikel stehen wie man will, aber er habe eine Wahl beeinflusst? Echt jetzt? 

Noch immer beschäftigt mich natürlich die Frage, warum Frau Wörlein (die sich übrigens auf ihrer Facebookseite als Politikerin bezeichnet - wie schräg ist das denn?) tut was sie glaubt tun zu müssen. Nachvollziehen kann ich es nämlich immer noch nicht. Ich fürchte, sie verkennt die Stimmungslage in der Stadt - die aus dem fernen Wiesbaden auch relativ schwer mitzukriegen ist. Woher kennt Frau Wörlein die Befindlichkeiten der Neuenburger Bürger? Die eine fährt nach der Urteilsverkündung ausgelassen nach Wiesbaden, der andere - wohl weniger ausgelassen - nach Hause nach Neuenburg am Rhein.

Mit ihren knapp über 37 Prozent erzielte sie bei der nunmehr ungültigen Wahl ein mehr als beachtliches Ergebnis. Zustande kam dies - wenn ich mich hier als Analyst betätigen darf - sicher aufgrund von Wählern, die von Frau Wörlein überzeugt waren, von Wählern, die Herrn Schuster einen Denkzettel verpassen wollten und von Wähler, die auch einen Torpfosten wählen würden, weil sie persönliche Probleme mit dem Amtsinhaber haben.

Welche Wähler am Ende bei der nächsten Wahl übrig bleiben, darüber kann man nur spekulieren. Wobei ich auf die Torpfosten tippe. Sollte sie nochmal auf über 37 Prozent kommen, würde mich das doch sehr wundern.

Neuwahlen also. Mit einer erneuten Vorstellung der Kandidaten. Herzlichen Glückwunsch Frau Wörlein. Da möchte ich nicht in ihrer Haut stecken. Aber wie gesagt, aus der Ferne kriegt man das halt nicht mit. Vielleicht wären die anstehenden Fasnachtsveranstaltungen ein guter Probelauf. 

Nun will sie also dem Rathaus vorstehen mit Mitarbeitern, die sie im Jahr zuvor noch der Wahlmanipulation bezichtigt hat. Super Idee. Wobei sich mir die Frage stellt, ob sie dann bei den Neuwahlen Wahlbeobachter anfordert. 

Selbstverständlich polarisieren Menschen in Machtpositionen. Es würde mich auch sehr befremden wenn wir einen Bürgermeister hätten, der everybody's darling ist. So jemand wäre mir dann doch sehr suspekt. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und kenne meine Stadt schon sehr lange - im Gegensatz zu Teilen der Anhängerschaft der Politikerin. Ich fühle mich daher kompetent genug zu sagen, dass Herr Schuster in den vergangenen 24 Jahren nicht so wahnsinnig viel falsch gemacht hat.

Wie dem auch sein, ich hoffe, bei den vermutlichen Neuwahlen geht alles glatt und mein Kopfschütteln wird nicht chronisch. 

Montag, 2. November 2015

Auswärtsspiel

Wir könnten doch nach dem Allerheiligen-Friedhofsbesuch in Freiburg anschließend nach Munzingen fahren. Dort spiele die 1. des FC Neuenburg. Wer konnte ein so verlockendes Angebot seitens meines Mannes schon ausschlagen? Außerdem versprach mir Bernie einen sonnigen Herbsttag, sobald sich der Nebel verzog. Und das würde er ganz bestimmt.

Also in Freiburg war es immer noch neblig, meinte Mäc, die vom Bodensee kommend durch Freiburg fuhr. Das mit dem Nebel, der sich noch verziehen sollte, glaubte sie nicht so recht. Ich hätte auf sie hören sollen.

Natürlich verzog sich nämlich überhaupt nichts. Im Gegenteil. Im Laufe des Nachmittages wurde die Sicht immer trüber und passte sich damit wunderbar der Stimmung unter den Neuenburger Fans an.

Flüchtlings,- Asyl,- Nahost- und sonstige Krisen: Vergesst es. Die wirklichen Dramen spielen sich jedes Wochenende auf und neben den Fußballplätzen der Republik ab. Alles hochemotional. Da wird gepöbelt und gestänkert, gemotzt und geschrien und lauthals der Unmut über das Versagen wahlweise des Schiedsrichters, des Gegners oder gerne auch der eigenen Mannschaft kundgetan. 

Die Chancenauswertung unserer Truppe war mal wieder eher suboptimal. Nachdem man großzügig auf die Führung verzichtet hatte und die Einladungen zum 1 und 2:0 dankend ablehnte, kam es, wie es kommen musste: Die Munzinger gingen 1:0 in Führung. Tja, das ist eben so wie im richtigen Leben. Wenn du deine Chancen nicht nutzt kommt ein anderer der nicht lange fackelt und hängt dich ab.

Zur Halbzeit stand es also 1:0 für Munzingen und der Nebel sank leise nieder. Kälte kroch mir in die Glieder und ich fragte mich, was ich eigentlich an diesem unwirtlichen Ort verloren habe. Überhaupt nichts, dachte ich mir und verzog mich ins Clubheim zu einer schönen heißen Tasse Tee. Ich beobachtete die 2. Halbzeit am Fenster stehend, zwischenzeitlich fiel das 2:0, die Emotionen kochten, der Schiedsrichter pfiff sich die Seele aus dem Leib, rote Karte für Munzingen, rote Karte für Neuenburg, mann da ging die Post ab. Alles ganz normal.

Kurz vor Ende des Spiels kam ein Munzinger ins Clubheim, aufgebracht schimpfte er über die Neuenburger Fans, so was habe er ja überhaupt noch nicht erlebt - schlimmer waren nur die aus Steinenstadt. So so denke ich und muss schmunzeln, das bleibt ja wenigstens in der Familie. Dann meinte er, das ist doch ein Pack, was da hergekommen wäre.

Dann war meinerseits Schluss mit Schmunzeln. Das reiche jetzt, meinte ich, ich würde mich (und im Übrigen auch die mitgereisten Anhänger) schon mal überhaupt nicht als Pack bezeichnen lassen. Natürlich gab dann ein Wort das andere und ich verlor zugegebenermaßen leicht die Contenance. Kann schon sein, dass ich leicht die Stimme erhoben und mit dem Finger gefuchtelt habe. Aber Pack? Geht's noch? Jedenfalls stürmte mein Kontrahent wütend aus dem Lokal und ward nicht mehr gesehen.

An der Theke stand ein grauhaariger älterer Mann, der versuchte, die Wogen etwas zu glätten. Sehr diplomatisch, muss ich sagen. Er kam dann zu dem Schluss, der Schiri sei sowieso schuld, weil er schlecht gepfiffen habe. Praktisch. Am Ende ist der Schiri Schuld.

Kurz darauf, das Spiel endete 2:1 für Munzingen, stürmte dann ein weiterer Einheimischer ins Clubheim und verkündete lautstark, er würde die Neuenburger Nummer 10 verklagen wegen Körperverletzung. Alle Beschwichtigungsversuche fruchteten nicht. Ich dachte mir, die haben hier wohl alle ein Rad ab, war aber still. Als er das Lokal verließ, bedankte er sich in meine Richtung. Bernie, der sich zwischenzeitlich zu mir gesellt hatte, sah mich verwundert an und fragte, ob der mich gemeint habe. Keine Ahnung, wofür genau der sich bedankte. Vielleicht für den Umsatz im Clubheim, für den das "Neuenburger Pack" gesorgt hat? 

Man kann mir an dieser Stelle unterstellen, ich hätte das Geschehen durch eine gelb-schwarze Brille beobachtet und ich wäre auf dem linken Ohr fast taub. Aber ganz ehrlich, mir ist ein ungebührliches Verhalten seitens der Neuenburger Fans nicht aufgefallen. Nichts, was außerhalb des üblichen Rahmens liegt. Wir waren, denke ich, zahlenmäßig überlegen und damit einfach lauter. Aber wenn die Munzinger bei Heimspielen lieber zu Hause bleiben (was ich ihnen an diesem Sonntagnachmittag überhaupt nicht verdenken konnte), ist das wohl deren Problem. Und eine Klage wegen Körperverletzung? Echt jetzt?

Beim Fußball geht es hoch her. Das war schon immer so. Schon meine Oma ging mit einem Schirm auf den Schiedsrichter los und erhielt daraufhin Platzverbot (und natürlich hat sich mein Onkel in Grund und Boden geschämt). Das muss man aushalten.

Im besten Fall steht man nach dem Schlusspfiff an der Theke und trinkt was zusammen. Also die anderen. Ich nicht. Das sieht mit einer Tasse Tee einfach zu blöd aus.

  




Dienstag, 20. Oktober 2015

Glückstage

Im Laufe eines Jahres gibt es Tage, auf die man sich besonders freut. Zum Beispiel die Osternacht im Elztal. Wobei ich jetzt gar nicht mal so genau sagen kann, was mir da am besten gefällt: Das Pizza essen mit Bernhard, das Ende der Fastenzeit oder die Auferstehung. Die Geburtstage von Gaby (mit superleckeren Rindswürsten und dem running gag, dass Gaby nie ihren Wunsch verwirklichen kann, ihren Geburtstag draußen zu feiern). Elke (die ihren Geburtstag draußen feiert, obwohl schlechtes Wetter ist) und Elisabeth (die jedes Jahr unter Beweis stellt, dass man sehr wohl 20 Personen um einen kleinen Küchentisch platzieren kann).

Definitiv zu meinem persönlichen Jahresglückstag zählt auch der Samstag der Frankfurter Buchmesse. In diesem Jahr hatte ich das Glück, die Buchmesse mit Mäc und drei Freundinnen zu besuchen. Auch wenn dies bedeutete, unchristlich früh aufstehen zu müssen. 

Aus der Fülle der Veranstaltungen wollte ich eigentlich nur zur Sendung "Druckfrisch" mit Denis Scheck, dem ich bei seinen Kritiken sehr gerne zuhöre und die ich in den allermeisten Fällen auch teile. "Druckfrisch" hat dann auch tatsächlich gehalten, was ich mir davon versprochen habe.
Ansonsten ist die Promidichte an der Buchmesse natürlich relativ hoch - sofern man von den zahlreichen Autoren auch weiß, wie sie aussehen. Und sofern man sie auch als Prominent wahrnimmt. Mario Adorf und Ulrich Wickert könnten problemlos an Mäc vorbeilaufen, sie hat weder vom einen noch vom anderen je etwas gehört. Im Falle von Ulrich Wickert war es tatsächlich so, mein "das war der Wickert" hat sie nicht sonderlich beeindruckt. So relativiert sich das eben mit dem Promidasein.

Der Einfachheit halber haben wir uns in Gruppen aufgeteilt. Elke und Gaby, Mäc und ich, Elisabeth war alleine unterwegs, ihre Leidenschaft für die Wissenschaft entsprach nicht so ganz unseren Interessen. Zwischendurch trafen wir uns dann zum Erfahrungsaustausch. Das erste Treffen haben allerdings Elke und Gaby verpasst. Die Damen haben sich in eine Veranstaltung eines Verlages geschmuggelt bei der auch Sekt gereicht wurde - da kann man ein Treffen schon mal verpassen. Außerdem hatten sie danach leichte Orientierungsprobleme, was möglicherweise mit dem Sekt zusammenhing. Man weiß es nicht.

Schlecht an der Buchmesse ist, dass man am Samstag keine Bücher kaufen kann. Der Grund leuchtet mir im Smartphonezeitalter nicht ganz ein. Ob ich Bücher vor Ort kaufe oder mir vor Ort im Netz bestelle ist doch völlig egal. Gut am Samstag ist, dass man keine Bücher kaufen kann. Die Gefahr, in einen wahren Kaufrausch zu fallen, wäre einfach zu groß. Was mich noch interessieren würde ist, wie viele Bücher an so einer Buchmesse eigentlich geklaut werden. Angesichts der Massen, die sich durch die Reihen schieben, ist dies nämlich ein leichtes Unterfangen, möchte ich mal behaupten. 

Mit ihren überaus fantasievollen Kostümen waren Cosplayer, die an diesem Tag zu Hunderten die Messe bevölkerten, bunte Hingucker (oder eyecatcher wie wir heute zu sagen pflegen). Dabei ist mir der Tod (na ja, nicht gerade die bunteste Erscheinung) drei Mal über den Weg gelaufen und ich hoffe, das hat nichts zu bedeuten. 

Überhaupt bin ich mir nicht ganz sicher, was mich mehr an der Buchmesse beeindruckt: Die wirklich in schier unübersichtlicher Zahl vorhandenen Bücher oder das Publikum. Lesen scheint Gott sei Dank doch noch nicht so ganz aus der Mode gekommen zu sein. Erstaunt war ich auch von den langen Schlangen vor den Ständen, an denen Autoren ihre Werke signierten. Was macht man mit einem Buch, das die Unterschrift des Autors enthält? Steht das dann aufgeklappt im Wohnzimmer? Zeigt man das seinen Freunden, auf das diese dann vor Neid erblassen? 

Nach 7,5 Stunden Buchmesse waren wir dann alle ziemlich platt. Auch meine Mitreisenden, die noch bei der Ankunft im Parkhaus fröhlich hüpfend die Treppe benutzten (im Gegensatz zu mir), fuhren dankbar für die Möglichkeit, ihre müden Beine zu schonen, auf dem Weg zum Parkplatz mit der Rolltreppe.



Natürlich steht auch im nächsten Jahr der Besuch der Buchmesse in meinem Kalender. Es ist übrigens der 22.10.

Apropos Bücher: Ich war eigentlich immer der Meinung, man darf Bücher auf keinen Fall wegschmeißen. Das tut man nicht. Doch manchmal ist man gezwungen, seine Meinung zu revidieren. Aus gegebenem Anlass werde ich meine Bücher von Akif Pirincci entsorgen. Eigentlich wollte ich sie verbrennen, das wäre allerdings die falsche Symbolik. Ich werde sie deshalb dahin schmeißen, wohin dieser Autor gehört - in den Müll.