Montag, 21. März 2016

Shosholoza

Es dauert ja immer eine Weile, bis man nach einer Reise tatsächlich wieder zu Hause ist. Bis die Seele nachgereist ist, sozusagen.

So richtig zu Hause bin ich daher immer noch nicht. Wobei der ganz normale Wahnsinn schon wieder Einzug gehalten hat. Mäc und Co. sind in Barcelona gestrandet, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Das war sie also - meine erste Reise nach Südafrika und meine erste Reise mit einer Reisegruppe. Und genauso zweigeteilt verlief auch die Tour. 



Man nehme alle Superlative, die einem in den Sinn kommen und wird Südafrika, seinen Menschen und der Natur doch nicht gerecht. Ich habe mich noch nirgends so willkommen gefühlt wie in diesem Land. Unglaublich, wie schnell man mit den Menschen ins Gespräch kommt. Dank meines Englischlehrers Arnold Walter klappte die Verständigung reibungslos. 
Mein Englisch habe einen britischen Akzent, meinte unser Busfahrer Neill. Und zack war ich innerlich ein Riese. An dieser Stelle tausend Dank Mr Walter.

Für die Rundreise in einer Reisegruppe hält sich meine Begeisterung in eher engen Grenzen. Zeitweise hatte ich das Gefühl, ich wäre mit Moser-Motz-Nörgel-Tours unterwegs. Es waren leider Mitreisende dabei, die waren in Südafrika und haben Deutschland nie verlassen. Den Vogel schossen dabei der Klugscheißer und die Duschkönigin ab. Unser Klugscheißer hatte immer einen guten Rat parat, was die Südafrikaner im allgemeinen und der Busfahrer, der Reiseleiter, das Hotelpersonal und was weiß ich noch wer im einzelnen, besser machen könnte. 
Die Duschkönigin hingegen beanspruchte für ihre abendliche Dusche auf jeden Fall eine Stunde. Dafür ließ sie auch ein Abendessen sausen und ging auf eigene Rechnung essen. Mir ist schon klar, dass man in fortgeschrittenem Alter etwas länger braucht, um alle Falten mit Farbe zuzuspachteln. Allerdings frage ich mich, für wen sie sich allabendlich so in Schale geworfen hat. Es gab ja in ihrer Altersklasse überhaupt nichts abzugreifen. Außerdem waren Doris und ich der Meinung, dass ein gutes Deo einen Abend locker zwei, drei Stunden überstehen lässt, ohne dass einem die Hunde nachlaufen. 

Auf der Straußenfarm haben wir erfahren, dass das Gehirn eines Straußes 40 Gramm wiegt. Auf sehr viel mehr kam der ein oder andere Mitfahrer auch nicht.

Ich hatte mir vor der Reise ein Mäntelchen aus Gelassenheit und Gleichmut genäht und so perlten die diversen Merkwürdigkeiten an mir ab. Meistens jedenfalls. Ab und zu entgleiteten mir allerdings die Gesichtszüge.

Gott sei Dank gab es noch Chris und Lore-Hase (und Helga, Karl-Heinz und Gertie). Die beiden sind aus Gottenheim und haben aus unserem Dialekt haarscharf geschlossen, dass wir aus der Nähe von Freiburg sein müssten. Wir hatten eine tolle gemeinsame Zeit. Und gibt es etwas Besseres, als mit Gleichgesinnten über die nervenden Mitfahrer abzulästern? Eben. They made my journey. Lore ist übrigens eine Arbeitskollegin von Bernies Cousin. Und in Knysna haben wir einen aus Oberried getroffen, der einen Arbeitskollegen von Doris kennt. 

Auch unser Reiseleiter Herbert Peter war eine coole Socke, der sich von den Nörglern überhaupt nicht beeindrucken ließ. Vor drei Generationen wanderten seine Ahnen als Missionare nach Namibia aus, mittlerweile wohnt er in Südafrika und macht den Job als Reiseleiter nur aus Spaß an der Freude.  

Für mich bot sich die Gelegenheit, mich von der Gruppe abzusetzen, als der Großteil sich zu einer Weinprobe aufmachte. Da ich keinen Wein trinke nutzte ich stattdessen die Zeit, und erkundete Kapstadt. Und nein, ich hatte keine Angst, alleine in der Stadt unterwegs zu sein.































Ohne Safari im Krügerpark ist eine Reise nach Südafrika unvollständig. Man wird ehrfürchtig angesichts dessen, welche Schätze die Natur bietet. Kotzen könnte ich angesichts der Tatsache, dass jährlich über 400 Nashörner abgeschlachtet werden, nur weil man in Teilen Asiens der Meinung ist, dass das Horn potenzsteigernd wäre. 

Bei Beginn der Tour hat man den Ehrgeiz, die sogenannten Big Five vor die Linse zu bekommen. Eine Garantie gibt es natürlich in einem 20.000 km² großen Gebiet nicht. Doch unsere Gruppe hatte das Glück. Sogar den Leoparden haben wir gesehen. Ein junges Weibchen, das buchstäblich über einem Ast hing und sich von den zahlreichen Jeeps überhaupt nicht beeindrucken ließ.

Auf der Rückfahrt machten wir Halt zum Mittagessen und aßen gefüllte Pfannkuchen. Das Lokal war zur Seite offen. Die Portionen waren mehr als reichlich, für eine Mitreisende deutlich zu groß. Ein Straßenhändler trat auf sie zu und fragte, ob er den Rest essen dürfe. Das beschämt. Gerade auch im Angesicht des Gejammers in Deutschland.

Ich habe noch sehr viel mehr Geschichten, für diesen Post soll es aber genug sein. 

Die Rundreise war seitens des Veranstalters unglaublich straff organisiert, d.h. für die einzelnen Sehenswürdigkeiten war viel zu wenig Zeit zur Verfügung. Für meine Vorstellung des Reisens war ich zu fremdbestimmt. Was natürlich nach sich zieht, dass ich nochmal hin muss. 

"Shosholoza" ist ein Südafrikanisches Lied, das sich als Ohrwurm bei mir eingenistet hat. Es kann übersetzt werden mit "mutig nach vorn schauen". Wäre für Deutschland auch keine schlechte Einstellung.
















Dienstag, 1. März 2016

uBuntu

Neulich rief mich meine Tante an. Mir ist immer mulmig zumute, wenn sie anruft. Tante bedeutet ja Elterngeneration und die ist halt doch schon betagt. Ich rechne also eigentlich immer mit schlechten Nachrichten.

In diesem Fall handelte es sich allerdings nicht um selbige. Im Gegenteil. Sie wäre ganz verzweifelt auf der Suche nach einer Mitreisenden nach Südafrika. Ihre Cousine, mit der sie die Reise geplant hatte, musste absagen und alleine wollte sie nicht gehen.

Jetzt bin ich ja ein überaus hilfsbereiter Mensch, der zudem nicht "Nein" sagen kann, und wenn jemand so verzweifelt um Hilfe bittet schon gar nicht. Demnach fliege ich also am nächsten Dienstag nach Südafrika.

Mit der Tante zu verreisen klingt nach Agatha Christie. Wenn die Nichte mit der Tante unterwegs ist, wobei die Tante ständig angeschickert ist, die Nichte etwas verhuscht daher kommt, mindestens zwei Mitreisende erschossen/erstochen/vergiftet werden und Hercule Poirot und seine kleinen grauen Zellen souverän die Morde aufklärt.

In meinem Fall ist die Tante gerade mal fünf Jahre älter, angeschickert werden wir beide ab und zu sein und als verhuscht würde ich mich nun nicht beschreiben. Sollte uns allerdings Hercule Poirot auf der Rundreise begleiten, muss ich mir doch Gedanken machen.

Im letzten Jahr war ich mit der coolsten Reisegruppe der Welt auf Sri Lanka. Ich bin sehr gespannt, mit wem ich es in diesem Jahr zu tun habe. 

Abgesehen davon, dass ich sowieso unbedingt mal nach Südafrika wollte, kommt mir die Reise gerade recht. Ich bin froh und dankbar, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Ich lebe sehr gerne in diesem Land. Es ist ein Privileg, aber ich kann nichts dafür. Es ist eine äußerst glückliche Fügung. Aber im Moment brauche ich eine Pause. Mir geht die herrschende Hysterie gehörig auf den Sender. Das kollektive Rumgejammere nervt. Von den Vorkommnissen in Sachsen ganz zu schweigen. Ich habe genug vom Geplärre aus Bayern, von verpesteter, stinkender Sch....aus dem braunen Sumpf, von besorgten Bürgern, von geistigen und realen Brandstiftern usw. usw. 

Etwas mehr Demut würde vielen gut zu Gesicht stehen. Etwas mehr Gelassenheit. Deutschland, chill doch mal. Stell dir vor, der überwiegenden Mehrheit der Menschen dieser Welt geht es wesentlich schlechter. 

Ich hoffe, dass sich die aufgeheizte Stimmung nach den Landtagswahlen wieder etwas normalisiert. Wenigstens ein bisschen. Selbstverständlich habe ich per Briefwahl mein Votum abgegeben und bin sehr gespannt, wie die politische Landschaft nach meiner Rückkehr aussieht. Und ob ich ein weiteres Mal zur Bürgermeisterwahl gebeten werde. Ich hoffe nicht.

Elisabeth schenkte mir einen wirklich genialen Reiseführer, in dem die afrikanische Philosophie des uBuntu beschrieben wird. Eine Philosophie, die mich fast ein wenig beschämt hat. uBuntu kommt aus der Sprache der Bantu und bedeutet: "Ich bin, weil ihr seid und ihr seid, weil ich bin." uBuntu bedeutet Nächstenliebe, Menschlichkeit, Gemeinsinn, Respekt und Anerkennung für seine Mitmenschen. Das eigene Wohlergehen und das Wohlergehen einer Gemeinschaft hängt ab vom respektvollen Umgang miteinander und von der Erkenntnis, dass jeder nur der Teil eines Ganzen ist. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nächsten Dienstag geht es also los. Was den Flug angeht, ist mir schon etwas unwohl. Ich bin jetzt nicht gerade der begeisterte Flieger. Ich frage mich jedesmal, warum es immer noch nicht möglich ist, schneller zu fliegen. Da beweist man das Vorhandensein irgendwelcher Gravitationswellen, CERN beschleunigt Teilchen und nur Gott und ein paar Physiker wissen warum. Und was hat die Menschheit davon? Ich sitze immer noch 12 Stunden im Flieger und hoffe, dass der Vogel oben bleibt.









Donnerstag, 18. Februar 2016

Scheibenfeuer

Seit Juni letzten Jahres singe ich im Gesangverein Niederweiler. Klingt komisch, ist aber so. Neben einem Hoffest im Juni richtet  dieser Verein auch das Scheibenfeuer am 1. Fastensonntag aus. Dabei werden mittels Haselnussruten quadratische Buchenholzscheiben, die man zuvor an einem Scheiterhaufen zum Glühen gebracht hat, über einen Schlagbock ins Tal geschlagen.

Zu meinem Leidwesen liegt der 1. Fastensonntag immer im Winter, wobei ich Winter als alles was unter 15° liegt definiere. Weshalb man mich auch niemals zuvor an einem Scheibenfeuer gesichtet hat. Ist absolut nicht meins. Aber grad gar nicht.

Sozusagen mitgesungen, mitgehangen trug ich mich in die Helferliste des diesjährigen Scheibenfeuers auf der Himmelswiese zu Niederweiler ein. Gläserwaschen von 17 bis 21 Uhr. Super. Wenigstens hatte es aufgehört zu regnen, als ich, mir Mut zusprechend und mit ganz viel Sonne im Herzen, den Dienst antrat. Wie um mich zu verhöhnen pfiff der Wind um die Ecke, der Boden war matschig aufgeweicht. Meine Motivation passte sich den Außentemperaturen an.

Meine Sangeskollegen setzten derweil mit Glutnestern den Scheiterhaufen in Brand. Ich gehe mal davon aus, dass sie eine ganz bestimmte, jahrhundertelang erprobte, von Generation zu Generation weitergegebene, ganz spezielle Technik anwandten. Jedenfalls standen sie andächtig an ihre Mistgabeln gelehnt am brennenden Haufen, bewunderten ihr Werk und sahen, dass es gut war. Sie erinnerten mich an den Spruch "Männer werden 7 Jahre alt und dann wachsen sie nur noch".

Ob das denn nicht ein fantastischer Ausblick bis zu den Vogesen wäre, meinte der 1. Vorsitzende. War es zweifellos. Allerdings habe man den auch an einem Johannisfeuer im Juni, so meine Erwiderung. 
Blick aus der Spülküche

Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen, was allerdings tatsächlich einige nicht davon abhalten konnte, ihre Scheiben zu schlagen. Habe ich schon erwähnt, dass es saukalt war? Da half es auch nicht, dass ich ab und zu meine Hände in heißes Wasser tauchen konnte. Das hat meinen Füßen überhaupt nichts gebracht. Und mit diesen die Gläser zu spülen habe ich mich dann doch nicht getraut.

Zwischendurch demonstrierte ein weiterer Kollege, was er bis jetzt im Tanzkurs gelernt hat. Sehr vielseitig, diese Niederweilemer. Es sah allerdings ein wenig danach aus, als ob er für eine Parade für Kim Jong-un proben würde. Aber Hauptsache, es macht ihm Spaß.

Mein Nebenmann vom Getränkeverkauf erzählte derweil begeistert von seiner Leidenschaft, dem Skifahren. Als ob mir nicht schon kalt genug gewesen wäre. Am Samstag wäre er am Feldberg gewesen und am nächsten Samstag würde er nach Arosa fahren. Ich hatte das Gefühl, als ob dank dieser Erzählungen von Schnee und noch mehr Schnee kleine Eiskristalle durch meine Blutbahnen tanzten. 

Nein, so eine Kälte hätte er in den letzten 15 Jahren nicht erlebt, meinte ein weiterer Sangeskollege und strahlte mich aufmunternd an. An seiner Mitarbeitermotivation muss er noch arbeiten. Da habe ich offensichtlich mit meiner Scheibenfeuerpremiere einen Volltreffer gelandet. Ganz große Klasse. Schlagartig war mit klar, warum sich außer mir bei der letzten Probe noch niemand in die Liste eingetragen hatte. 



Ich konnte die Begeisterung der anwesenden Scheibenschläger immer noch nicht teilen, dachte aber bei mir, dass angesichts der strahlenden, rotwangigen Gesichter, den total verdreckten Hosen und Schuhen und den nach Rauch stinkenden Haaren doch noch Hoffnung für die Welt besteht.  

Eine halbe Stunde vor Schichtende hatte eine Kollegin Erbarmen und kam, um einen von uns abzulösen. So schnell konnte ich gar nicht schauen, da war der Skifahrer weg. Er habe wahnsinnig kalte Füße, sprachs und war verschwunden. Gott sei Dank kam kaum 10 Minuten später die zweite Ablösung und ich konnte mich bei einer heißen Wurst und einem Kinderpunsch (der tatsächlich noch nicht ausverkauft war) aufwärmen. 

Auf der Heimfahrt wurden kurz vor Neuenburg meine Füße wieder an das Herz-Kreislaufsystem angeschlossen und wurden so wieder ein Teil von mir. Im Radio erklang "Zombie" von "The Cranberries", was so ziemlich genau meine körperliche Verfassung beschrieb.

In den allermeisten Fällen liegt das allergrößte Glück in den kleinen Dingen des Lebens. Zum Beispiel auf dem Sofa zu sitzen, eingekuschelt in eine Decke, die Füße an einer heißen Bettflasche gewärmt, um einen Mordfall in New Orleans zu lösen.








Sonntag, 7. Februar 2016

Mehr denn je

Wie ich denn auf das Motto der Fasnacht in Neuenburg gekommen sei, dass man Fasnacht mehr denn je brauche, wurde ich neulich gefragt. Nun, ich habe einfach meine Gedanken in Reimform gebracht. Denn ganz ehrlich, ich brauche eine Pause von der Massenhysterie, von der dieses Land befallen zu sein scheint. 

Meine größte Sorge heute war, ob es am Umzug regnet oder nicht, die vergangenen Tage waren geprägt vom Problem mit juckender Schminke, der Frage, wohin mit dem Charlie-Chaplin-Stock, Campari oder Caipi, Fertigpizza oder Currywurst, Stadthaus oder Steakhaus. Man grüßt mich mit "Hallo Wolfgang Petri" und ich habe in den letzten Tagen Tränen gelacht wie schon lange nicht mehr.

Dass ich diese Tage  mehr denn je brauche bestätigte mir die "Kurzfassung des Wahlprogramms der AfD, das gestern ungebeten der Werbung beilag.
Zuerst wollte ich diese ungelesen entsorgen, entschloss mich aber dann, mich schlau zu machen, was dieses Auffangbecken für Durchgeknallte für Vorstellungen hat und mit welchen Verbesserungsvorschlägen sie die Zukunft des Landes gestalten wollen. Da kommt einem schon das Grausen und das Grauen kriecht durch die Glieder. Die Geiferer, Eiferer, selbsternannten Weltenretter und Wichtigtuer gehen mir gehörig auf den Senkel. 

Ich werde das krude Machwerk aufbewahren. Es soll keiner hinterher behaupten, er hätte nichts davon gewusst. Außerdem stehen auf der Rückseite die Namen aller Kandidaten zur Landtagswahl drauf. Wer weiß, wann man die Info mal brauchen kann. Und vielleicht schämen sie sich ja irgendwann einmal, jemals auf so einer Liste gestanden zu haben.

Natürlich mutet es für Außenstehende etwas seltsam an, sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Narren zu machen. Sich blaue Perücken aufzusetzen oder als Zebra durch die Lande zu traben. Andererseits bin ich geneigt, allen besorgten Bürgern zuzurufen: Hey, macht euch mal locker, geht an Umzüge statt zu Montagsdemos. Singt schwachsinnige Lieder  und schunkelt mit eurem Nachbarn, obwohl ihr den überhaupt nicht kennt. Euch öffnet sich eine ganz neue Welt.



Meine Auszeit dauert noch bis Dienstagabend. Bis dahin gilt es die Frage zu beantworten, wie ich das Thema "Mut zum Hut" für den Rosenmontag bei den Fröschen umsetzen kann. 

In diesem Sinne ein dreifach donnerndes Schnoog, Schnoog - Quak, Quak






  

Dienstag, 19. Januar 2016

Fasnachtsauftakt

Mit dem Besuch des Regio-Gugge-Treff der StrauSchoeh-Schlurbi in Heitersheim habe ich zusammen mit Mac am vergangenen Samstag meine Fasnachtskampagne gestartet. Für meinen Geschmack der perfekte Auftakt.

Die Zeiten, in denen man Guggemusik mit der Kunst der schrägen Töne verbindet, sind schon längst vorbei. 

Als wir in Heitersheim ankamen, war der erste große Ansturm schon vorbei, so dass Mac und ich wenigstens am Eintritt nicht noch lange in der Kälte haben anstehen müssen. Mit einem kurzen Blick in die Halle verschafften wir uns einen ersten Überblick und fröhlich hüpfend kamen uns dann auch gleich Hannah und Caroline entgegen. Wir waren also nicht die einzigen Neuenburger. Die Band "Lautstark" spulte das Fasnachts-Stimmungs-Repertoir ab, und auch in diesem Jahr kommt man wohl an Helene der Unvermeidlichen nicht vorbei. 

Über die Ankündigung, dass in diesem Jahr auch die Muhlis aus Badenweiler auftreten würden, haben wir uns sehr gefreut. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, so möchte ich die Muhlis als eher unkonventionell bezeichnen. Mögen Hose und Shirt auch einheitlich pink und schwarz sein, so ist der Rest doch freestyle und ein Hauch von Anarchie macht sich breit. Dudelsack, Gitarre, Akkordeon und eine Art Trötenflöte - auch nicht unbedingt die klassische Besetzung einer Guggenmusik. Aber es ist auch hier wie im richtigen Leben - wenn du das, was du tust, außerordentlich gut und besser machst als andere, ist es völlig wurscht, wie du aussiehst. Es kommt auf den Inhalt an und nicht auf die Verpackung.

Das ist ja mal ein Statement, dachte ich, als sie "Schrei nach Liebe" von den "Ärzten" spielten. Normalerweise neige ich nicht zu sprachlichen Entgleisungen (außer, wenn Franzosen im Auto vor mir her fahren), das "Arschloch" im Refrain kam mir allerdings mühelos über die Lippen.

Nach dem Muhli-Auftritt ging es dann erst Mal Resi besuchen, die in der "It's-all-about-that- bass-Bar" Dienst tat. Mac tat sich an einem Jäger-Bull gütlich. Da denkt man, man hat als Mutter keine großen Fehler gemacht, und dann trinken die Kinder Jäger-Bull. Aber jetzt ist es zu spät.

Zurück in der Halle standen wir dann so rum und warteten auf einen weiteren Höhepunkt des Abends - den Auftritt der Gastgeber. Da fiel mir ein roter Anorak auf. Dann ordnete ich diesen der dazugehörigen Person zu, dachte das kann nicht sein, realisierte, dass dem doch so war und fand es mal wieder erstaunlich, welche Überraschungen das Leben doch bieten kann. Vor uns stand Elisabeth, die sich auf unsere erstaunte Nachfrage als großer Guggemusikfan outete. Mit ihr hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet. Als würde der Papst bei der evangelischen Bischofssynode auftauchen. Da denkt man, man kennt einen Menschen ...

Arrogant und hochnäsig seinen sie, die S³. Das war jedenfalls die Meinung zweier Besucher, die ich belauscht habe (ich habe mich gefragt, warum sie dann überhaupt da waren, aber gut). Der Vorwurf dürfte den so gescholtenen bekannt sein. Aber diesen Neid muss man sich erst mal erarbeiten. Das ist ein wenig so wie beim FC Bayern. Wie diese, so spielen auch die Heitersheimer in meinen Ohren ein wenig in einer anderen Liga. Und das erreicht man nur durch viel Arbeit. Diesen Status erlangt man nicht einfach so. Da darf man schon mit breiter Brust durchs Leben gehen.

Ich weiß nicht, ob Kurt Cobains geschundene Seele ihren Frieden gefunden hat. Das "Smells like teen spirit" dürfte jedenfalls zur Heilung beigetragen haben. 


Bevor die ganzen Betrunkenen angefangen haben zu nerven, machten wir uns auf den Heimweg. Natürlich nicht, ohne uns von Resi zu verabschieden. So standen wir also vor der Bar, als sich ein Muhli dazugesellte. Resi kannte ihn und ich stellte mich ihm vor als die Mama. Das wüsste er, meinte er. Er kenne mich von meinem Blog. Wow. 

Dank meines unterirdisch schlechten Personengedächtnisses habe ich keine Ahnung mehr wie er heißt oder wie er aussieht. Aber Junge: You made my day. Sorry Andi, ich glaub ich hab einen neuen Lieblings-Muhli.








Donnerstag, 24. Dezember 2015

www - worldwideweihnacht

Weihnachten. Fest der Freude, der Familie und der Rituale. Letztere sehen bei uns folgendermaßen aus: Am Heiligen Abend versammelt sich die ganze Familie bei Würstchen und Kartoffelsalat, dann gibt es Geschenke und wer dann noch nüchtern ist, geht in die Christmette. Ach ja, und die Geschenke auf den letzten Drücker gibt es auch noch.

So komme ich also relativ abgehetzt mit meinen aller-allerletzten Geschenken nach Hause. Aber ach, kana da. O man, alle fuerte. Malle sehen, wo sie sind. Von Resi liegt wenigstens ein Zettel auf dem Küchentisch: Bin in meinem Zimmer und chile. Sudan mache ich mich auf die Suche nach dem Rest. Matze ist wahrscheinlich mali wieder unterwegs, mal ta, mal ta, aber sonst?

Ich gehe in die Küche, wo mich fast der Schlag trifft. Wie sieht es denn hier aus? Das totale Laos. Da war wohl Mäc am Werk. Gott sei Dank kommt Bernie, um mir bei den weiteren Vorbereitungen zu helfen. „Jetzt peruig dich erst mal, alles halb so wild“, tröstet er mich.

Da kommen auch schon meine beiden Töchter. „Was habt denn ir an? Entfährt es mir angesichts ihrer Glitzerkleider, die sie zur Feier der Heiligen Nacht tragen. Statt einer Antwort geht Resi wie immer zum Radio, um die Stimmung mit Musik etwas feierlicher zu gestalten. Es kommt aber nur DomRep und Bernie stellt entnervt das Radio wieder aus.

„Übrigens, Simon kommt nicht“, meinte Mäc. „Er ist krank.“
Oh, hoffentlich hat er keine Salomonenvergiftung vom Essen gestern“, erwidere ich besorgt.
„Nein, nein, nur ein Katar der oberen Luftwege“, beruhigt mich Mäc. Der immer mit seinen Algerien, denke ich, sage aber: „Tschad, da kann man nix machen. Na immer noch besser als Fußschweiz“.
Dafür machen mir mal wieder die Beine weh. „Da ist bestimmt eine Vene zu. Ela hat das nämlich auch immer.“ diagnostiziert meine Tochter mein Leiden.

Matze ist wohl noch unterwegs, Fidschi fahren. Aber auch das kennen wir, der kommt generell erst zur allerletzten Minute. Kurz darauf steht er im Wohnzimmer. „Hast du die Geschenke dubei“, wie immer ist Resi besorgt, dass Matze die Geschenke vergessen haben könnte. „Nor wegen dir komm ich immer in Stress,“ mault Resi ihren Bruder an. „Schweden mir? Stimmt doch gar nicht. Du hast ja schon seit Tagen Nasenbluten.“

Nun sind wir vollzählig, alle sitzen erwartungsvoll am Tisch, die Gabun liegen unterm Christbaum und alle bestaunen die Krippe. „Das san Marinoschafe“ erkläre ich stolz meine krippalen Neuzugänge, was alle mit Wohlwollen kommentieren.

„Benin dich gefälligst“ raune ich Bernie zu, als der sich ein Wienerle nehmen will, noch bevor das Tischgebet gesprochen wurde.
„Auch für dich und für mich ist der Tisch gedeckt, hab Dank lieber Gott, dass es uns gut schmeckt. Jemen“. Endlich. Bernie greift beherzt zu. Was Vati kan, kann ich auch denken sich unsere Kinder und alle laden ihre Teller voll. Ich mache das nur ungarn, das sieht immer so gierig aus.

„Krieg ich auch Wein?“ fragt unsere Jüngste. “So zur Feier des Tages könntet ihr doch mal eine Ausnahme machen“, bettelt sie.
„Kommt gar nicht in Frage“, erwidert der Herr Papa. „Du kannst höchstens Milch mit Kuba trinken.“ Sein strenger Blick duldet keine Widerrede.
„Ja mei, ka ma nix machen“, fügt sich Mäc in ihr Schicksal und vietnam sich statt dessen noch ein Wienerle.
„Möchtest du noch einen Schluck Wein?“ fragt mich mein Göttergatte. „Liba non“, war meine Antwort. Von zu viel Wein kriege ich schnell Kopfweh.

„Ich schlage vor, wir singen in diesem Jahr 10 Lieder vor der Bescherung.“ Resi neigt wie immer zur Übertreibung. „Das kapverden wir sicher nicht“, war die höfliche, aber bestimmte Antwort ihres Bruders. Er hasst Weihnachtslieder. „Und warum nicht?“ So leicht gibt sich Resi nicht geschlagen. „Wales ich sage“. „Macho.“ „Blöde Kuh“.
Bevor die Stimmung endgültig umschlägt, stimme ich ein Lied an. „Macht hoch die Tür, Ecuador macht weit“, besänftigt augenblicklich die Gemüter.


Die Seychellen läuten und im Liechtenstein der Kerzen wird mir wie immer ganz warm ums Herz.



Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern überall auf der Welt

Frohe Weihnachten * Merry Christmas * Feliz Navidad * Joyeux Noel * God Jul * Hyvää Joulua * Buon Natale * Kala Christougenna * Mo'adim Lesimkha * Vrolijk Kerstfeest * Nollaig Shona Dhuit * Bon Nadal * Boas Festas *
Wesolych Swiat * Sumaj kausay kachun Navidad ch'sisipi * Bella Festas daz Nadal * Nollaig chridheil *
Pozdrevlyayu sprazdnikom Rozhdestva * Krismas Njema Na Heri * Kellemes Karacsonyiunnepeket *
Idah Saidan Wa Sanah Jadidah * Subha nath thalak Vewa* 

Sonntag, 13. Dezember 2015

Think pink

Im Moment sieht man sich einer Fülle an Weihnachts-, Advents- oder Wintermärkten gegenüber. Prinzipiell finde ich alles, was Menschen zusammenbringt und sie gemeinsam feiern lässt schön und eigentlich lasse ich auch keine Gelegenheit aus, an solchen Events teilzunehmen. Außer im Winter. Da ist es mir schlicht zu kalt. Erschwerend kommt hinzu, dass ich keinen Wein trinke. Weder weiß noch rot und schon gar nicht in heißer Form. Und kalte Getränke im Winter zu trinken geht gar nicht. Desweiteren habe ich festgestellt, dass mir erhitzter Alkohol überhaupt nicht gut tut. Irgendwann schreibe ich mal meine Erfahrungen mit Nebenwirkungen von Russischer Schokolade auf. Man versteht dann vielleicht besser, was ich meine. 

Nachdem ich bereits gestern Morgen beim gemütlichen Küchengeburtstag bei Elisabeth eingeladen war und anschließend eine Redaktionssitzung (klingt cool - oder?) in Müllheim anberaumt war, hatte ich mir für den Abend, außer mit meinen Gefährten Mittelerde zu retten, nichts vorgenommen.

Dann meldete sich Elke bei mir, ob ich nicht Lust hätte, mit zur Waldweihnacht der Guggemuhlis auf der Schwärze zu gehen (was genau Guggemuhlis sind und wo die Schwärze ist wird in einem späteren Post erläutert werden - nur soviel: Sie machen Musik im weiteren Sinne). Elke würde mich abholen. Ich war mir sicher, dass meine Gefährten Mittelerde auch ohne mich retten würden und sagte zu. 

Zielsicher steuerte Elke den Parkplatz an und schon tauchten wir ein in einen Traum aus pink. Nichts mit zuckersüßem Weihnachtsgebimmel und Winterwonderland. Pretty in pink von der Deko bis zu den neckischen Weihnachtsmützen.














Da ich bei besagter Redaktionssitzung schon genug Motivationsbrause getrunken hatte, freute ich mich auf den angebotenen Kinderpunsch. Der Kinderpunsch sei aus, meinte der freundliche Muhli und ich sah ihn ungläubig an. Ernsthaft? Bei den Guggemuhlis aus Badenweiler ist der Kinderpunsch ausverkauft. Ein Widerspruch in sich.

Nun gut, dann gab es halt eine leckere Gutedelrahmsuppe. Wie versprochen ertönten dann Weihnachtslieder. Also die haben garantiert nicht den Kinderpunsch getrunken, dachte ich und nahm die Lieder auf, um sie einmal um die halbe Welt zu Theresa zu schicken. Ich bin immer noch total fasziniert von den technischen Möglichkeiten, die man heute hat. Aber ich stamme ja auch aus einer Zeit, in der es noch Telefone mit Kabel gab (immerhin hatten wir eines in grün) und Gespräche ins Ausland nur was für Multimillionäre waren.

Zwei Mädels versuchten, mit Schellen und Glöckchen die dargebotenen Weisen musikalisch zu verschönern. Der Versuch ist in meinen Ohren kläglich gescheitert - aber Hauptsache, die beiden hatten Spaß.

Dann krachte in der Nähe ein Böller, was die Besitzerin eines Hundes gar nicht witzig fand. Der arme Kerl hatte sich furchtbar erschrocken und zitterte am ganzen Leib. Zur Belohnung gab es dafür von Frauchen eine halbe Bockwurst. Logischerweise hörte das Zittern nicht auf. Konnte ja sein, dass Frauchen auch den Rest der Wurst spendierte.

Es war ein urgemütlicher Abend mit einem ganz eigenen Charme. Auf eine ganz besondere Art berührend. Also solange wir da waren jedenfalls. Und dank einer genialen Außen-Holzofen-nie-mehr-kalte-Füße-Heizung mit Theke habe ich überhaupt nicht gefroren.

Wieder zu Hause, waren meine Gefährten immer noch zugange und ich schaltete den Fernseher just in dem Moment ein, als Sam zu Frodo den Satz aller Sätze sagte:

"Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo, für das es sich lohnt zu kämpfen."

In diesem Sinne: Einen schönen 3. Advent