Montag, 29. August 2016

Die Nacht der Nächte

Es war bereits der 5. Tag des Ferienlagers in Sedrun und ich dachte so bei mir, dass sich bis jetzt noch gar nichts ereignet hätte, über das man im Lagerlied singen könnte. Manchmal ist es besser, wenn man nicht denkt.

Täglich um 18 Uhr trafen sich die Leiter mit Elisabeth zur Leiterrunde. Johanna ging es allerdings kurze Zeit danach so schlecht, dass sie sich übergeben musste. Wir bedauerten die arme Johanna aufrichtig, isolierten sie von den anderen Teilnehmern und machten uns keine weiteren Gedanken. 

Die Damen des Küchenteams hatten sich zum Abendessen  mal wieder selbst übertroffen und servierten eine leckere Pizza. Alles ganz normal, alles wie immer. Und niemand ahnte auch nur im geringsten, dass sich schon längst ein fieser, kleiner Virus breit gemacht hatte, um uns eine unvergessliche Nacht zu bescheren.

Johanna sollte nämlich nicht die einzige bleiben, der es schlecht ging und die brechen musste. Im Laufe des Abends und der Nacht summierte sich die Zahl der Leidensgenossen. Mit Eimer (für die Kotzer), Putzlappen und Schwamm putzen Elisabeth und ich die Hinterlassenschaften weg und reinigten die Bettlaken. Langsam gingen uns die K-Eimer aus, so dass wir dazu übergehen mussten, Salatschüsseln aus der Küche zu nutzen. Wir wischten und putzen unverdrossen durch die Nacht, leerten Eimer und spendeten Trost. Ich nannte uns "die Kotzbrocken".  

Zwischenzeitlich schickten wir das Küchenteam zu Bett, damit die Versorgung der Gesunden am nächsten Tag gewährleistet war. Eine sehr weise Entscheidung. So desinfizierten sie nicht nur das ganze Gebäude, sondern kochten noch eine leckere Hühnersuppe. 

Im Speisesaal richteten wir ein Notlager ein. Daniel, Leo, Peter und Gabriel leisteten uns in den K-pausen Gesellschaft. Man mag es in dieser Situation kaum glauben, aber wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Für Elisabeth und mich waren sie eine wertvolle Unterstützung, für die ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken möchte.

Leider ging es dann Leo immer schlechter und er setzte sich in den Windfang. Auch Daniel ging ins Bett. Wir brauchten ja am anderen Tag auch noch Leiter, die fit genug waren, um die gesunden Kinder zu bespaßen. Denn auch die Zahl der Leiterinnen und Leiter hatte sich merklich dezimiert. 

So blieben am Ende noch Peter und Gabriel übrig. Munter und fidel. Das lag vielleicht daran, dass beide Muhlis sind, meinte Theresa. So schnell gehen die nicht kaputt.

Insgesamt 11 Kinder lagen im Speisesaal, zwei auf der Terrasse, manche auf Matratzen oder auf Isomatten. Der Rest saß mit irgendeinem Gefäß im Bett. Adrian erhielt meinen Schlafsack, Fabian meinen Pulli und meine grüne Decke. Ich kam mir vor wie Sterntaler, nur dass es am Ende keine Taler regnete. Wobei es bei der Katholischen Kirche für das gemeine Fußvolk sowieso keine Taler regnet. 

Weniger munter und fidel war Lukas. Der hatte sich in die selbstgewählte Isolation ins Leiterzimmer im Untergeschoss begeben. Genützt hat es ihm allerdings nichts. Als ich in eben jenes Untergeschoss ging um Bettlaken zu entsorgen, sah ich Elisabeth, die in einer der Toiletten mit ihrem lila Putzlappen zugange war. Die Glastüre, die den Schuhraum vom Flur trennte, war geschlossen, und ich dachte bei mir, komisch, seit wann ist die aus Milchglas. War sie natürlich nicht. Lukas hatte dagegen gereihert. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so gelacht habe. Ich säuberte die Tür und dachte, schade um die Pizza.




Lukas gesellte sich zu den anderen in den Speisesaal und lag, wie schon im Jahr zuvor, wie das Leiden Christi auf seiner Matratze. 

So gegen halb fünf leerte ich den letzten Eimer und legte mich zu Amelie auf den Boden. In Ermangelung eines Schlafsackes deckte ich mich mit einem Spannbetttuch zu. Natürlich war es kalt. Elisabeth lag im Flur bei den Kinderzimmern, wobei ständig das Licht anging, sobald jemand den Flur betrat. 

Belohnt wurde ich am Morgen dann doch noch. Es nieselte und mit der aufgehenden Sonne zeichnete sich ein wunderbarer Regenbogen am Horizont. Und so tanzte ich nach dieser Nacht der Nächte ausgelassen über die regennasse Wiese.










Mittwoch, 27. Juli 2016

Auf Nummer Sicher

Eigentlich ist es ja ganz schön, dass sich Vater Staat um seine Schäfchen kümmert auf das ihnen kein Leid geschieht. Aber manchmal fühle ich mich dann doch etwas überbehütet. Manchmal denke ich, ist zwar alles gut gemeint, aber hey, ich bin alleine groß.

Ich war nicht persönlich zugegen, als bei der Rheinregatta sämtliche Floße aus dem Verkehr gezogen wurden. Ich kann nur sagen, dass mir das für die Floßbauer und Veranstalter wahnsinnig leid tut. Und natürlich war die Wasserschutzpolizei im Recht. Trotzdem. Was Andernorts kein Problem zu sein scheint, lässt man hier vorsichtshalber verbieten. Könnte ja was passieren.

Stimmt. Könnte. So eine Verordnung ist ja auch schnell aufgeschrieben und kostet nichts. Lieber auf Nummer Sicher gehen. Ich bin mal gespannt, wann im EuropaPark Helmpflicht herrscht und man nur noch mit Arm- und Beinschoner samt Schwimmwesten den Park betreten darf. 

Oder das Reizthema Brandschutz. Für viel Geld wurde das Stadthaus in Neuenburg brandschutzmäßig auf den (hoffentlich) neuesten Stand gebracht. Am letzten "Schmutzige Dunnschtig" gab es tatsächlich Feueralarm. Und der Strom auf der Bühne fiel aus. Wenigstens funktionierten die Kühlschränke fürs Bier noch, dachte ich. Wie dem auch sei: Kaum einer verließ den Saal, genau wie ich nahmen die meisten den Alarm irgendwie nicht richtig ernst. Ich glaube, es war die Nebelmaschine, sicher war ich mir aber nicht. Es hätte tatsächlich Feuer sein können. Da hilft auch der beste Brandschutz nichts, wenn es niemanden interessiert.

Wenn es dem Staat allerdings an den Geldbeutel geht, sieht es beim Thema Sicherheit schon etwas anders aus. Immer weniger Kinder können schwimmen. Für mich nicht nachvollziehbar. Da werden die Kids bis vor die Schultür gefahren und der Schulranzen wird an den Platz getragen. Dem Kind das Schwimmen beizubringen kriegen die Eltern aber nicht mehr hin. Ist halt so. Müsste der Staat dann allerdings nicht in seiner Fürsorgepflicht dafür sorgen, dass Kinder verbindlichen Schwimmunterricht erhalten und dass alle Kinder bis zum Ende der Grundschule schwimmen können? Kostet halt.

Auch die Sicherheit seiner Soldaten hatte bis jetzt für Vater Staat nicht oberste Priorität. Über die Ausstattung der Bundeswehr möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen. Kostet noch viel mehr.

Rückblickend war meine Kindheit und Jugend wahnsinnig gefährlich. Und wenn ich es mir recht betrachte, ist es mein Leben immer noch. Beim Geburtstagsgrillen war der Grill so heiß, Frodo hätte den Einen Ring reinschmeißen und sich den Weg zum Schicksalsberg sparen können. Natürlich steht der Grill neben einem Baum. Die Blätter sind leicht angekokelt. Aber keine Panik. Ich hatte alles soweit im Griff.

Und wenn ich ehrlich bin, bleibe ich an einer roten Fußgängerampel nur stehen, wenn Kinder in der Nähe sind. 

Man kann sich nicht gegen alle Eventualitäten absichern. Es kann immer und überall jederzeit etwas passieren. Man kann auch das Risiko nur bedingt minimieren. Und wenn Verbote, Vorschriften und Restriktionen überhand nehmen verlernen wir, mit Gefahren umzugehen. Wir verlernen, auf unsere Instinkte zu vertrauen und wann es besser ist, eine Sache sein zu lassen. 

Das Leben hat keinen Schutzschalter. Oder, um es mit Erich Kästner zu sagen:


"Wird's besser? Wird's Schlimmer?
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer lebensgefährlich!"
















Freitag, 22. Juli 2016

Geburtstagsüberraschung

Im Gegensatz zu mir feiert Bernie seinen Geburtstag in eher unregelmäßigen Abständen. In diesem Jahr war ihm mal wieder danach und so nutzten wir das kurze Sommerintermezzo, um mit der Familie und zwei befreundeten Paaren zu grillen. Im Grunde genommen geht es ja nicht darum, sich an seinem Geburtstag feiern zu  lassen. Seltsamerweise kriegt man es nur selten gebacken, sich einfach spontan zu treffen, um einen schönen Abend miteinander zu verbringen. Da braucht es einen Anlass. Das klingt genauso blöd wie es ist. 

Etwas leid tat es mir für Theresa, die ja momentan in Heidelberg weilt. Jetzt feiern wir mal wieder und sie ist nicht dabei. Sehr schade, dachte ich mir, allerdings hat sie ja bedingt durch ihre Reisen schon das ein oder andere Familienfest verpasst. Den Peter haben wir dennoch eingeladen - er gehört ja irgendwie dazu. Über seine Zusage habe ich mich sehr gefreut. Hätte ja sein können, dass er keine Lust auf einen Altennachmittag hat.

Grillen heißt bei uns, dass ich für das Fleisch und dessen Zubereitung zuständig bin, Bernie für die Getränke. Wobei die Getränke locker für vier Tage Nepomukfest gereicht hätten. Aber Bier wird bei uns ja nicht schlecht. Außerdem startete Simon am nächsten Morgen nach Malle, da konnte er sich schon mal eintrinken.

Peter käme etwas später, ließ mir Theresa ausrichten. Außerdem sollten wir ihr unbedingt etwas Grillgut zur Seite legen. Wir sollten es ihr dann mitbringen, wenn wir sie zwei Tage später besuchen kommen.  

Peter kam dann tatsächlich später und meinte, das Geschenk, das er dabei habe, sei zu schwer, das könne er nicht alleine tragen. Da müsse Bernie ihm helfen. Ich dachte natürlich an ein 10-Liter-Fässchen Bier als ich wenig später Bernies erstaunt-freudige Ausrufe hörte. 

Das Geschenk war tatsächlich schwer. Deutlich schwerer als 10 Liter Bier. Ums Eck kam Theresa, die es sich nicht nehmen ließ, ihren Papa an seinem Geburtstag zu überraschen. Wobei es nicht weniger überraschend war, dass außer Peter niemand von ihren Plänen wusste. Normalerweise kann Theresa Geheimnisse nicht so gut für sich behalten.

Wir verbrachten einen wirklich schönen Abend zusammen, an dem man sich wahlweise über meine lädierte Schulter lustig machte (wobei ich nicht weiß, was daran lustig sein soll, sich beim Lesen zu verletzen), oder über Uli, der seiner Mutter immer ähnlicher wird. Das behauptet jedenfalls seine Frau. Und wenn Michel mit Bernie den Jakobsweg wandert, muss ich einen Halbmarathon laufen.

Natürlich freut man sich über Geschenke. Aber meist genügt die pure Anwesenheit, um anderen eine Freude zu machen. 





Donnerstag, 14. Juli 2016

Freude die von Herzen kommt

Gestern fand das jährliche fußballerische Kräftemessen zwischen der Stadtverwaltung Neuenburg am Rhein und dem Kreisgymnasium im Rheinwaldstadion statt. Da Mäc nun auch Teil des Teams "Stadtverwaltung" ist, waren Bernie und ich als Zuschauer dabei.



Auf dem Papier schien die Sache eindeutig. Auf der einen Seite junge, dynamische, selbstbewusste Lehrer. Auf der anderen Seite die an Jahren und body mass index überlegenen Städtischen. Entsprechend sorgenvoll war die Mine von Dieter Branghofer, zumal noch zwei Spieler absagen mussten.

Aber wie es nun mal so ist - der Fußball schreibt eigene Gesetze. "Wir" hatten nämlich die Schlüsselpositionen optimal besetzt. Mit dem kaum zu bezwingenden Patrick Faller im Tor und einem vor Spielfreude strotzenden Andre Koch im Sturm. Dazu kamen noch aufopferungsvoll kämpfende Recken in der Abwehr.




Im Gegensatz dazu brachten die optisch überlegenen Lehrer vor dem Tor nur wenig zustande. Entweder sie spielten zu eigensinnig und übersahen den besser postierten Mitspieler, oder sie schlugen den Ball übermotiviert irgendwo ins Nirgendwo.

Das 1:0 für die Städtischen durch Andre Koch fiel zu unserem Erstaunen schon relativ früh und wurde entsprechend gefeiert. Das 2:0 erstaunte uns nicht minder, beim Anschlusstreffer zum 2:1 befürchtete ich, dass die Lehrer jetzt Ernst machten. Das aus seiner Sicht spielentscheidende 3:1 erzielte Rudi Grunau nach sauberem Zuspiel von Andre Koch. Ich gehe mal davon aus, dass Rudi mittlerweile der gesamten Hochschule davon berichtet hat.

Bis zur Pause habe ich dann aufgehört mitzuzählen, ich glaube es stand 5:1

Von den Lehrern hatte keiner daran gedacht, sich etwas zu Trinken mitzunehmen. Man sagt Lehrern im Allgemeinen ja gerne nach, dass sie manchmal nicht so wirklich alltagstauglich sind. Natürlich durften sie sich am Mineralwasser des Teams Stadtverwaltung laben.

Die zweite Hälfte gestaltete sich ähnlich wie die erste - irgendwann haben wir den Überblick verloren was die Anzahl der Tore angeht. Unter den Augen von Direktor Kaltenbacher verlor das Team KGN mit 9:3  Mehr als drei Punkte kann ich für diese Leistung leider nicht geben.

Für Mäc war es somit ein Einstand nach Maß und ich habe mich von Herzen über das Ergebnis gefreut. Manche würden behaupten, das sei die pure Schadenfreude.



Mittwoch, 6. Juli 2016

Sonntagsausflug

Es kommt manchmal vor, dass ich Menschen, die sich so gar nicht für Fußball interessieren, sehr beneide. Hauptsächlich bei Welt- und Europameisterschaften, wenn "wir" spielen. Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Da nahm ich mir fest vor, die Sportart zu wechseln und mein Herz fortan an Yoga, Frauentragen oder Schlammschnorcheln zu verschenken. Nach dem Spiel bedauerte ich natürlich die armen Wichte, die nicht von einer Euphoriewelle durch Wogen des Glücks davongetragen wurden.

Wie dem auch sei, am nächsten Morgen fuhr ich mit Peter sehr, sehr früh - also für meine Verhältnisse - nach Heidelberg, um Theresa zu besuchen. Dank des Restadrenalins vom Vorabend war ich relativ munter. Außerdem war auch Peter sehr redselig (zumindest bis zu seinem Nickerchen) und zu besprechen gab es ja auch genug.

Im Gegensatz zum Rest der Welt, für den auf seiner Europatour ein Heidelbergbesuch Pflicht ist, war ich noch nie in dieser Stadt. Ja, ja, in der Weltgeschichte rumreisen, aber die eigenen Perlen vor der Haustür ignorieren.

Mäc und Caro waren bereits am Samstag Richtung Heidelberg gefahren, und so verbrachten wir einen wirklich tollen Sonntag zusammen. Mit gefühlt der Hälfte aller Japaner sowie Engländer, Amerikaner, Italiener, Spanier - , kurz, in Heidelberg tagten die Vereinten Nationen.  Afrikatage waren nämlich auch noch. 


                                    

Kurz vor 17 Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg. Im Gegensatz zum Morgen war relativ viel Verkehr. Es gibt, zu meinem großen Erstaunen, sehr sehr viele Autofahrer, die das Prinzip einer dreispurigen Autobahn noch nicht so ganz verstanden haben. Ich würde diese gerne fragen, warum um Himmels Willen sie stur auf der mittleren Spur mit 110 km/h fahren, derweil die rechte Fahrbahn frei ist. Lastwagen fuhren nämlich keine. War ja Sonntag. 

Außerdem erstaunt mich immer wieder, wie man in aller Seelenruhe auf der rechten Spur vor sich hintuckern kann. Gut, manche sind am telefonieren oder Nachrichten schreiben. Aber sonst? Ich sinnierte noch über die Beweggründe, als Caro um ein Päuschen bat. Gesagt, getan und auf den nächsten Rastplatz zwischen Herbolzheim und Teningen gefahren. Offensichtlich kam unserem Auto die Pause ganz gelegen. Es qualmte nämlich aus dem Motorraum. Ich musste spontan an Elisabeth und ihren Smokey Car denken, der irgendwann tatsächlich in Flammen aufging.

Ich öffnete die Motorhaube und so standen wir ums Auto rum und hatten nicht den blassesten Schimmer, woher der Qualm kam. Caro hat dann mit einer Dame vom ADAC telefoniert. Wozu bin ich schließlich schon seit ewigen Zeiten Mitglied. Das fragte ich mich nach Beendigung des Gesprächs tatsächlich. Die Dame wollte nämlich nicht unbedingt einen gelben Engel vorbeischicken und diskutierte mit der armen Caro über die Farbe der Flüssigkeit, die auf den Boden tropfte.

Zu uns gesellte sich ein Holländer, der von Autos zwar auch keine Ahnung hatte, der aber dafür Peter seine Lebensgeschichte erzählte. Kurze Zeit später kam noch ein Deutscher hinzu, der mit fachmännischem Blick meinte, das sei die Zylinderkopfdichtung. So genau wüsste er das aber auch nicht. Zwischenzeitlich hatte Mäc mit Simon telefoniert, der sich sofort auf den Weg zu uns machte. Wir entschlossen uns, Wasser nachzufüllen und heimzufahren. Simon fuhr hinter uns her. 

Mit 80 km/h und die Motorhaube im Blick zottelten wir heim. Wer uns überholte dachte bestimmt, warum um Himmels Willen man im Schneckentempo über die Autobahn kriecht. 



Freitag, 10. Juni 2016

Hochzeitstag

Bernie und ich gehören nicht unbedingt zu den Hochzeitstagszelebrierer. Aber 30 Jahre waren für mich dann doch ein Anlass, den Wunsch nach einem besonderen Event zu äußern.

Wir entschieden uns für einen Städtetrip nach Lissabon. Nun verspricht ein Urlaub mit Bernie, und sei er noch so kurz, auf jeden Fall jede Menge Action.  Auch die 4 Tage Lissabon machten da keine Ausnahme. Besonders nicht an unserem Hochzeitstag, der auf jeden Fall in die Annalen eingeht.

Strahlend blauer Himmel, ein reichhaltiges Frühstück und eine Tour durch die Gassen der Alfama - der Tag begann vielversprechend. Wobei Bernie nicht unbedingt ein Fan der engen Gassen war. 

Egal in welcher Stadt ich mich befinde, zünde ich für meine Lieben ein oder zwei Kerzlein an. Gesagt - getan, in der Kirche Santa Maria de Belém zwei Kerzen gestiftet und weiter ging es auf die Suche nach einer schönen Tasse, die ich mir als Souvenir mitnehmen wollte. Etwa hundert Meter unterhalb der Kirche wurde ich fündig und wollte die Tasse kaufen. Dies scheiterte allerdings daran, dass man Bernie zwischenzeitlich den Geldbeutel gestohlen hatte.

Oberste Regel bei Auslandsaufenthalten ist für mich, nie, nie, aber auch niemals den Reisepass oder Personalausweis mit zuführen. Der gehört unbedingt in den Safe im Hotel. Habe ich das Bernie gesagt? Selbstverständlich. Hat er sich daran gehalten? Natürlich nicht. Somit war seine ID-Karte, sein Führerschein und zwei Scheckkarten weg. Gott sei Dank war das Bargeld in seinem Schlüsselbund. Klingt komisch, ist aber Bernie.

Wir sprachen also umgehend eine Tuktukfahrerin an, die uns zurück ans Hotel fuhr. Wenigstens war das TukTuk hochzeitsweiß und so rumpelten wir übers Kopfsteinpflaster einmal quer durch die Stadt. Im Hotel angekommen erklärte ich dem freundliche Herrn an der Rezeption unsere missliche Lage. Leider mussten wir ihn bemühen, uns das Zimmer zu öffnen, denn natürlich war die Schlüsselkarte auch weg. Nachdem ich die EC-Karten sperren ließ, erklärte uns der immer noch freundliche Herr der Rezeption den Weg zur nächsten Polizeistation und rief auch bei der Botschaft an, die hatte allerdings schon zu, da mussten wir am nächsten Morgen hin.

Auf der Polizei warteten noch zwei Paare, ein drittes betrat kurz nach uns die kleine Polizeistation. Kurz darauf betrat eine ältere Frau den Raum, ziemlich verhärmt, ihre Kleider hatten auch schon bessere Tage gesehen und ich fragte mich, ob sie überhaupt eine Bleibe hatte. Na die Polizisten werden ihre Freude an der Alten haben, dachte ich mir. 

Und dann hatten mich meine Vorurteile zutiefst beschämt. Die Polizisten freuten sich nämlich tatsächlich über das Erscheinen der alten Dame. Sie würde weggeworfene Portmonees einsammeln, die von Taschendieben achtlos weggeworfen wurden, erläuterte uns eine Polizistin. In diesem Fall übergab sie eine Brieftasche einer Französin.

Vor dem Einschlafen hielt ich dann noch Zwiesprache mit dem Hl. Antonius und meinte so zu ihm, dass es eigentlich cool wäre, wenn er uns das Portmonee wieder beschaffen könnte. So wie bei der Französin. Probieren kann man's ja mal.

Am nächsten Morgen stand also der Gang zur Botschaft auf dem Programm, um Ersatzpapiere für die Ausreise für Bernie zu beantragen. Zuvor hatte Mäc für uns recherchiert, dass Bernie zwei biometrische Passbilder benötigt. In der U-Bahnstation fanden wir eine Fotografin und bestens vorbereitet stiefelten wir zur Botschaft.

Das war schon witzig, auf einmal waren wir wieder auf Deutschem Hoheitsgebiet. Man konnte sich deutsch unterhalten und das Formular musste man nicht erst übersetzen. Am nächsten Morgen wäre der Ersatz da, man müsse erst noch die Stadt Neuenburg kontaktieren, ob gegen Bernie auch nichts vorläge. Das hätte ich alles nicht erlebt, meinte mein Gatte zu mir. Ich enthielt mich eines Kommentares.

Es war noch früh am Tag und so schlenderten wir in die Innenstadt. Wir standen neben der uns wohlbekannten Polizeistation, als die Deutsche Botschaft Bernie aufs Handy anrief. Der Geldbeutel sei abgegeben worden. Der Ausdruck "Fassungsloses Erstaunen" traf unsere Empfindungen in dem Moment nicht mal annähernd. Wir ließen uns den Weg zur Polizeistation zeigen, in der Bernies Geldbeutel liegen sollte und tatsächlich: Es war Bernies Portmonee, samt Führerschein und ID-Karte, Scheckkarten und € 40,-- waren weg.

Die Menschen, die wir in Lissabon wegen der Unachtsamkeit belästigen mussten, waren allesamt sehr freundlich und hilfsbereit. Außer der blöden Tussi, die mir die Figur des Hl. Antonius verkaufte.

Ich hoffe, Bernie ist das für die Zukunft eine Lehre. Sein "ich merke das, wenn mir einer was aus einer Tasche klaut", wurde eindeutig widerlegt.

Abgespielt hat sich der Diebstahl meiner Meinung nach so: 
Als wir aus der Kirche rausgehen wollten, bildete sich vor dem Ausgang eine Schlange und es kam zu einem kleinen Tumult. Natürlich wurde der Menschenstau provoziert, es gab nämlich überhaupt keinen Grund, warum es nicht vorwärts ging. Und als es dann endlich weiterging war alles erledigt und der Geldbeutel weg. Und das merkt man definitiv nicht.


definitiv mein Lieblingsheiliger





Montag, 9. Mai 2016

Sport im Dritten

Direktaufstieg mit Meisterschaft und das vor den hochgelobten Roten Bullen aus Leipzig - wenn das als SC Freiburg Fan kein Grund war, sich mal wieder "Sport im Dritten" am Sonntagabend anzuschauen. Oder besser, anzutun.

Zu sehen bekam ich nämlich in erster Linie drei Heulsusen, die den vermeintlichen Abstieg des VfB Stuttgart beweinten. Alibimäßig war noch Ermin Bicakcic aus Hoffenheim eingeladen, der zunehmend ratloser wirkte ob seiner Rolle in diesem Zirkus. Der hat wahrscheinlich eine Wette verloren. Zu Gastgeber Antwerpes gesellten sich ferner Hansi Müller und Guido Buchwald. 

Als Freiburg-Fan geht man ja mit einem Abstieg schon relativ gelassen um - wobei der im letzten Jahr schon heftig war. Groß rumlamentiert wurde trotzdem nicht. Wir wussten ja, dass das mit dem Wiederaufstieg bestimmt klappt.
Jetzt steigen die Großkopferten möglicherweise ab und sie tun sich wahnsinnig leid. Böse Welt. Wahrscheinlich gibt es demnächst einen "Brennpunkt" nach der Tagesschau.

Man habe in der 2. Liga sehr, sehr viel weniger Geld zur Verfügung. Was da nicht alles an Sponsoren-, Fernseh, und was-weiß-ich für -Gelder verloren gingen. Willkommen in unserer Welt, lieber VfB. Herr Antwerpes hätte am liebsten noch am Abend den Vorstand samt Sportdirektor entlassen und regte sich auf, dass von den verantwortlichen Herren keiner seiner Einladung gefolgt war. Dann ließ er tatsächlich das Publikum über die Demission der Verantwortlichen abstimmen. Da war aber einer ganz schön auf Krawall gebürstet, mein lieber Mann.

Hansi Müller sieht im Abstieg immerhin die Chance eines Neuanfangs mit jungen, talentierten Spielern und Guido Buchwald sah aus, als trüge er die Last des Elends der ganzen Welt auf seinen Schultern. Gut - so sieht er eigentlich immer aus. 

Ach ja. Vom Sportclub weit und breit keine Spur. Irgendwann hatte ich genug, mich am Elend zu laben und beschloss, mich durchs Abendprogramm zu zappen, wobei ich mit der ARD anfing. Super. Frauke Petry. Die war mit anderen Pappnasen bei Anne Will. Natürlich ging es mal wieder um den Islam und die kruden Vorstellungen der AfD. 

Mir erschließt sich die Diskussion um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht ja nicht wirklich. Natürlich gehört der Islam zu Deutschland. Genauso wie das Judentum und der Buddhismus und was es sonst noch gibt. Weil wir nämlich Religionsfreiheit haben. Und damit gehört jede Religion zu unserer Gesellschaft. Das garantiert das Grundgesetz ihr Affen.

Selbige berufen sich ja gerne auf das Christentum, auf das unsere Nation fußt. Ich frage mich allerdings, in wie weit diese Leute dieses Christsein denn wirklich leben. Aber das nur am Rande. Ich versuchte es nämlich erneut mit "Sport im Dritten", wo tatsächlich der Bericht über die Meisterschaft des SC Freiburg gesendet wurde.

Na ja, so wahnsinnig lang war der Beitrag leider auch nicht. Im Anschluss nölte der Antwerpes dann noch rum, von wegen, die Spieler könnten sich auch mal was anderes einfallen lassen als das "Humba täterä" . Das mit dem Gönnen können müssen wir halt noch etwas üben, Herr Antwerpes.
Hansi Müllers Bemerkung über Kevin Großkreuz hätte er mal lieber gepfiffen. Dass man zuerst denkt und dann spricht - auch das sollten sie in Stuttgart beherzigen.

Ich hatte dann endgültig genug und räumte stattdessen die Spülmaschine aus.